Ro.Ro. Tranship wächst als Partner der österreichischen Holzindustrie

Seit über 40 Jahren beschäftigt sich Ro.Ro. Tranship mit der Spedition von österreichischem Schnittholz zu Abnehmern in den Regionen Levante, Nordafrika, Rotes Meer, Persischer Golf und Asien. Dabei ist der Hafen Triest in der jüngeren Geschichte etwas ins Hintertreffen geraten. Doch nun könnte sich das Blatt wieder wenden.

Ro.Ro. Tranship wächst als Partner der österreichischen Holzindustrie Bild: Etwa 20 Prozent der Holzprodukte werden konventionell verschifft.

TRIEST. Bei der Ro.Ro. Tranship s.r.l. empfängt man oft Besucher aus Österreich. Die Alpenrepublik steht bei der Triester Spedition für drei Viertel des Exportaufkommens gut. In der ersten Phase nach der Firmengründung im Jahr 1977 erfolgte die Abfertigung der Warenausfuhren praktisch zur Gänze im Hafen Triest. Irgendwann wurden hier die Kapazitäten knapp. Doch in Koper standen Alternativen in Form von freien Flächen bereit. So wuchs der slowenische Seehafen in den letzten zwei Jahrzehnten beträchtlich. Dazu leistete auch die als Schwestergesellschaft von Ro.Ro. Tranship registrierte Visped d.o.o. einen Beitrag. Ihr Geschäftsvolumen verzeichnete in den letzten Jahren einen stetigen Anstieg.

Mittlerweile hat auch der Hafen Koper ein Platzproblem. Zwar gibt es zahlreiche Programme für Flächenerweiterungen, begleitet von Initiativen zur Verbesserung der Erreichbarkeit der Terminalbetriebe und zur Effizienzsteigerung der Umschlagtätigkeiten. Erst kürzlich gab die slowenische Regierung grünes Licht für die Realisierung der dringend benötigten zweigleisigen Bahnstrecke zwischen Divaca und Koper. Jedoch wird dieses Projekt frühestens im Jahr 2025 fertiggestellt. Im Unterschied dazu gibt es im Hafen Triest noch ausreichende Kapazitäten für den Empfang und den Versand von Güterzügen, wobei hier jetzt schon vorausschauende Optimierungsschritte gesetzt werden.

Es gibt aber auch noch andere Anzeichen für eine Wiederbelebung der Holzexporte im Hafen Triest. So erlebt das von Trieste Marine Terminal (TMT) betriebene Containerterminal am Molo VII gerade einen Höhenflug.

Im Vorjahr hat der Umschlag um 15 Prozent zugelegt, und auch in den ersten Wochen des Jahres 2019 ist der Trend positiv. Dazu kommt die am 13. Februar erfolgte offizielle Eröffnung des sogenannten FREEeste. Dabei handelt es sich um einen 240.000 m² großen „Dryport“ mit dem Status als Freihafen, den die Interporto Trieste AG im Jahr 2017 mit einer Investition von 21 Mio. Euro von der Firma Wärtsila erworben hat. Hier gibt es ab sofort 74.000 m² Hallenflächen für die Lagerung und Veredelung von Import- und Exportgütern. Direkt im Hafengebiet entsteht bis zum Jahresende 2019 eine neue Logistikplattform für Container und General Cargo.

Unter diesen Vorzeichen erachtet Dr. Stefano Visintin einen deutlichen Aufschwung im Hafen Triest für naheliegend. „Unsere zentraleuropäischen Geschäftspartner verfolgen die aktuellen Entwicklungen aufmerksam“, berichtet der Geschäftsführer der Spedition Ro.Ro. Tranship und Präsident des Logistikverbandes ASPT ASTRA. Damit sind auch die österreichischen Holzexporteure gemeint, die ihre Wettbewerbsfähigkeit auf den internationalen Absatzmärkten absichern wollen. Dadurch bedingt beschränken sich ihre konventionellen Verschiffungen heute auf die Ausfuhren nach Ägypten, Algerien Libyen und Tunesien. Alle anderen Zielgebiete in den Regionen Mittelmeer, Rotes Meer, Persischer Golf, Indischer Subkontinent und Ferner Osten erhalten das österreichische Holz per Container.

„Unter den neuen Gegebenheiten könnten wir in Triest jetzt das doppelte Volumen abwickeln“, erläutert Stefano Visintin im Gespräch mit der Österreichischen Verkehrszeitung. Im Vorjahr haben die Speditionen Ro.Ro. Tranship und Visped rund 120.000 Kubikmeter Schnittholz verschifft. Davon kamen 75 Prozent aus Österreich, 20 Prozent aus Slowenien und jeweils rund fünf Prozent aus Kroatien und Bosnien-Herzegowina. Die Tätigkeit der beiden Unternehmen reicht von der Warenübernahme in Triest und Koper über die Zwischenlagerung mit Trocknung, Verpackung und Markierung bis zur Organisation der Seefrachten und Zollverfahren – nicht zu vergessen das Stauen der Container.

„Normalerweise nehmen wir die Holzsortimente aus Zentral- und Südosteuropa per Straßen- oder Bahntransport unter der Regie der Exporteure in Empfang“, beschreibt Stefano Visintin das Prozedere. Es gibt aber Geschäftspartner, für die Ro.Ro. Tranship und Visped die Transporte ab den Ladestellen koordinieren. Dafür nutzt das Unternehmen das Know-how und die Frachtkapazitäten von lokalen Spezialisten. In Österreich besteht eine Zusammenarbeit mit Wenzel Logistics, „die sich zu unserer vollen Zufriedenheit entwickelt hat“, wie aus dem Büro des Triester Unternehmens in Familienbesitz verlautet wird.

Obwohl die Spedition Ro.Ro. Tranship als Spezialist auf dem Gebiet der konventionellen Verschiffungen groß geworden ist, werden aktuell rund 80 Prozent der Holzexporte in Containern abgefertigt. Dafür muss die Ware zur Vermeidung von Schäden auf unter 18 Prozent Feuchtigkeitsgehalt getrocknet werden. In diesem Zusammenhang berichtet Stefano Visintin von einer deutlich verbesserten Servicequalität der Lager- und Umschlagbetriebe im Hafen Triest. Was er vermisst, ist ein direkter Liniendienst zur nordamerikanischen Ostküste, den er sich außer für Holzsendungen auch für den Export von italienischen Weinen, Käse- und Schinkenspezialitäten vorstellen kann. „Aber dafür müssten alle Häfen in der nördlichen Adria an einem Strang ziehen“, lautet seine Einschätzung der Sachlage.

Importseitig betreut Ro.Ro. Tranship neben vielen anderen Transporten ein Großgeschäft mit einem taiwanesischem Kunden. Dieser Auftraggeber schleust rund 80.000 Tonnen Stahlprodukte pro Jahr durch den Triester Hafen. Die Aufgabe von Stefano Visintin und seinem Team besteht in der Organisation der Importabfertigungen, Zwischenlagerungen und Distribution in Europa. Wenn die Spedition zusätzlich noch Veredelungsarbeiten übernimmt, was auf dem FREEeste-Areal problemlos möglich wäre, würde das dem taiwanesischen Industrieunternehmen 6,8 Prozent Importzoll ersparen. Voraussetzung dafür sind die entsprechenden Genehmigungen durch das Zollamt und die Hafenbehörde. Die Anträge dafür hat Ro.Ro. Tranship schon vor einiger Zeit eingereicht. Jetzt fehlen nur noch die positiven Bescheide!

JOACHIM HORVATH

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