„In Koper, Rijeka und Piräus fehlt (noch) die starke Bahnanbindung“

Mit 300 Mitarbeitenden in China, etwa 100 Beschäftigten in Hongkong sowie 2.200 Dienstnehmern in Zentral-, Ost- und Südosteuropa ist die cargo-partner Gruppe ein relevanter Logistikdienstleiser entlang der eurasischen Achse. Dabei spielt die „Maritime Seidenstraße“ die Hauptrolle und wachsen die LCL-Verkehre auf der Schiene stark.

„In Koper, Rijeka und Piräus fehlt (noch) die starke Bahnanbindung“

FISCHAMEND. Eines ist für Mag. Stefan Krauter unbestritten: Die „Silk Rail Road“ etabliere sich in erstaunlicher Geschwindigkeit als interessante dritte Variante für Gütertransporte von Greater China (China, Hongkong, Taiwan) nach Zentral-, Ost- und Südosteuropa. Zwar erfahre der Großteil der Sendungen auf dieser Handelsroute weiterhin eine Abwicklung entlang der „Maritimen Seidenstraße“ und spiele für Wertgüter auch die Luftfracht eine wichtige Rolle. Schließlich müsse speziell im E-Commerce vieles ganz schnell gehen. Jedoch gewinne die „Eiserne Seidenstraße“ gerade in diesem Segment einen wachsenden Einfluss, analysiert der CEO der cargo-partner Gruppe.

Für das internationale Transport- und Logistikunternehmen mit Hauptsitz in Fischamend bei Wien ist die „Tradelane“ von Greater China nach Zentral-, Ost- und Südosteuropa der bei weitem wichtigste Markt. Stefan Krauter sieht das Unternehmen mit weltweit 3.000 Mitarbeitenden und 753 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2018 hier auch für die Zukunft gut aufgestellt und bekräftigt das mit zwei sachdienlichen Hinweisen. Demnach wurden in den letzten Jahren zur Wahrung der Kundennähe zehn Standorte im chinesischen Hinterland etabliert. Das geschieht vor dem Hintergrund der „Go West“-Strategie der Regierung in Peking, die auch die Gebiete abseits der boomenden Küstenregionen in die wirtschaftliche Erfolgsgeschichte der riesigen Nation mit 1,4 Mrd. Einwohnern einbinden will.

Sozusagen als Gegenpol dazu entwickelt cargo-partner ein starkes Netz an Logistikzentren in Zentral-, Ost- sowie Südosteuropa. Zuletzt wurden moderne und leistungsfähige Anlagen in Fischamend, Prag und Sofia eröffnet. In Ljubljana steht gerade das größte Investment in der 36-jährigen Unternehmensgeschichte vor der Inbetriebnahme. Um 28 Mio. Euro entstand das neue iLogistics Center mit über 20.000 Palettenstellplätzen auf mehr als 25.000 m² Gesamtfläche, ergänzt um eine 6.000 m² große Kleinteile- und Einzelpickzone, eine 5.000 m² große Cross-Dock- und Blocklagerfläche sowie 4.000 m² Büroräume. Mit 44 Lkw-Docks bietet der Neubau zukünftig beste Voraussetzungen für tägliche Abholungen und Lieferfahrten in der näheren Umgebung. Außerdem entstehen 30 neue Arbeitsplätze.

„Wir investieren hier in Slowenien, weil wir glauben, dass dieser Standort in der Nähe der Häfen Koper und Triest ein wichtiger Verbindungspunkt nach Asien und zum Mittelmeer sowie in die Staaten des Balkans, nach Siebenbürgen, Ungarn, Österreich, Süddeutschland und Teilen Norditaliens ist. Wir wollen etwas bauen, auf das wir alle stolz sein können und das die beste Lösung für alle Logistikanforderungen in der Region darstellt“, sagte Stefan Krauter bei der Spatenstichfeier. Slowenien liege direkt am Scheideweg zwischen West- und Südosteuropa, „man kommt nicht daran vorbei“, ergänzte Viktor Kastelic, Managing Director von cargo-partner in Slowenien. Und, so präzisierte er: „Der Seehafen Koper ist ein Hauptknotenpunkt für Waren, die von Asien nach Zentraleuropa kommen, und der Flughafen Brnik ist der zweitwichtigste Umschlagpunkt im Land.“

Wenn die Verantwortlichen bei dem international tätigen Transport- und Logistikunternehmen in Slowenien etwas für dringend verbesserungsbedürftig erachten, dann ist das die Bahnverbindung von und nach Koper. „Die eingeengte, eingleisige Gebirgsbahn ist ein Riesenhemmnis für das ganze Land“, befürchtet Stefan Krauter. Daher begrüßt er den von der Regierung in Ljubljana beschlossenen Ausbau der Strecke zwischen Koper und Divaca bis zum Jahr 2025. Schon allein daran zeigt sich die Bedeutung der Hinterlandverkehre auf der Schiene für das Management der interkontinentalen Logistikketten von Ladestellen in Greater China nach Zentral-, Ost- und Südeuropa und retour.

Aber dieses Problem besteht nach wie vor auch in Rijeka und Piräus. Der griechische Tiefwasserhafen habe seit der Übernahme durch die chinesische Cosco Group einen deutlichen Qualitätssprung gemacht und sei sehr verlässlich geworden, bemerkt Stefan Krauter im Gespräch mit der Österreichischen Verkehrszeitung. Jedoch seien die Bahnverkehre nach Zentraleuropa noch zu langsam und zu teuer, sodass man mit Hochseeschiffen zu deutlich günstigeren Konditionen in die Nähe von Wirtschaftszentren wie Budapest, Bratislava, Wien, Prag oder München komme. Aber, so ist der cargo-partner Chef überzeugt: „China wird mit langfristigen Krediten eine attraktive Verkehrssituation von und nach Zentral-, Ost- und Südosteuropa herstellen. Der politische Wille dazu könnte nicht klarer formuliert sein.“

Zu den am schnellsten wachsenden Geschäftssegmenten bei cargo-partner zählt – wie in diesem Beitrag bereits erwähnt – der Schienentransport über die „Neue Seidenstraße“, besonders im Bereich LCL. Im Jahr 2018 verzeichnete das Unternehmen ein Gesamtvolumen von mehr als 35.000 m³ an LCL- Verkehren per Bahntransport. Momentan werden 10-15 LCL-Container pro Woche auf dieser Route abgewickelt. Hauptnutzer dieses Service sind die Hersteller von höherwertigen Gütern. Dem gegenüber steht die Verlagerung der Herstellung von Billigprodukten von China nach Bangladesh, Kambodscha und Myanmar. Nicht zu vergessen Vietnam, das Stefan Krauter als einen sehr großen Konkurrenten von China mit guten Anschlüssen an den Seeweg mit einer um ein paar tausend Kilometer kürzeren Wegstrecke nach Europa einstuft.

JOACHIM HORVATH

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