Mobilitätsminister Peter Hanke und Hartwig Hufnagl, Vorstandsdirektor der Asfinag, haben gestern die Pläne für die weitere Vorgangsweise beim Projekt „S1 Wiener Außenring Schnellstraße“ vorgestellt. Nach beinahe 17 Jahren intensiver Prüfung wird der Lückenschluss des Regionenrings im Norden Wiens auf den Weg gebracht.
„Führt man alle Gutachten und Stellungnahmen der Fachexpert:innen zusammen, wird eines klar: Die S1 ist notwendig, um den Wirtschaftsstandort der gesamten Ostregion zu sichern und die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Wir schaffen damit die Grundlage für bis zu 25.000 Jobs, Wohnraum für 55.000 Menschen und entlasten die Wiener Bevölkerung vom Lkw-Durchzugsverkehr. Deshalb habe ich entschieden, die S1 an die Asfinag zur Umsetzung zu übergeben“, sagt Minister Peter Hanke.
Für die Realisierung des Projekts ist eine gesamtheitliche Betrachtung des heutigen und künftigen Verkehrs entscheidend. Dies umfasst sowohl den Transit als auch den motorisierten Individualverkehr, den es bis 2040 nach wie vor geben wird, jedoch weitgehend dekarbonisiert. Hierbei ist auch die gesamte Region jenseits des Großraums Wien, nämlich der Metropolraum Wien-Bratislava-Budapest-Prag mit rund 10 Mio. Einwohner:innen, zu berücksichtigen.
In den kommenden Jahrzehnten wird dieser Großraum aufgrund wachsender Anforderungen an Lieferketten, wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Wohnraum auf eine leistungsstärkere Infrastruktur angewiesen sein. Mit dieser Frage einher geht auch die Versorgungssicherheit der Bevölkerung. Dies betrifft sowohl den Ausbau der Straßen als auch den der Schiene. Deshalb investiert die österreichische Bundesregierung bis 2030 ca. 7 Mrd. EUR in die Bahninfrastruktur der Ostregion.
Für Betriebe bedeutet die neue Achse schnellere Anbindungen an internationale Transportkorridore, verlässlichere Lieferketten und attraktive Standortbedingungen für Neuansiedlungen. Langfristig bringt das Projekt eine Wertschöpfung von 4 Mrd. EUR für den österreichischen Standort. Der Schaden für Österreichs Volkswirtschaft durch die entstandenen Staukosten auf der A23 wird aktuell auf rund 500 Mio. EUR jährlich geschätzt.
Täglich queren knapp 200.000 Fahrzeuge die Wiener Südosttangente (A23). Jährlich sind es rund 900.000 Durchzugs-Lkw, die Wien und das bestehende Straßennetz darüber hinaus massiv belasten. Damit ist sie die am stärksten befahrene Straße Österreichs. Laut Asfinag gibt es an durchschnittlichen Werktagen ca. 5,5 Staustunden, die Menschen und Wirtschaft belasten.
Das Projekt S1 Wiener Außenring Schnellstraße im Detail: Die S1 Wiener Außenring Schnellstraße stellt den Lückenschluss des Regionenringes hochrangiger Straßen rund um Wien dar und umfasst eine Gesamtlänge von rund 19 Kilometer. Das Projekt wird in zwei Etappen errichtet:
- Etappe 1: Groß-Enzersdorf – Süßenbrunn
Mit 10,8 Kilometer Länge, neun Brücken, fünf Grünbrücken und zwei großen Knotenpunkten schließt dieser erste Abschnitt des Projektes das größte Stadtentwicklungsgebiet Wiens, die Seestadt Aspern, über die sogenannte S1-Spange an das hochrangige Straßennetz an. Der Bau wird im Frühjahr 2026 beginnen, ist mit Kosten von rund 500 Mio. EUR veranschlagt und dauert rund sechs Jahre.
- Etappe 2: Schwechat – Groß-Enzersdorf (Donau–Lobau Tunnel)
Der 8,3 Kilometer lange Straßenabschnitt umfasst einen Tunnel in geschlossener Bauweise. Mit zwei Röhren (je zwei Fahrspuren) und modernster Sicherheitstechnik wird der Transitverkehr unter der Donau und unter der Lobau durchgeführt. Der Nationalpark Donau-Auen bleibt dabei völlig unberührt. Aktuelle Schätzungen gehen von einem Baustart im Jahr 2030 und Kosten in Höhe von 2,2 Mrd. EUR aus, die Bauzeit wird auf rund zehn Jahre geschätzt. Bei dieser Etappe (Verwirklichungsabschnitt 2) sind noch Verfahren anhängig.