Fercam-Präsident sieht wenig Sinn im RoLa-Ausbau in Tirol

„Diese Verkehrsart kommt sicher nicht den Zielen eines lärmarmen und für die öffentliche Hand günstigen Transitverkehrs näher“

Fercam-Präsident sieht wenig Sinn im RoLa-Ausbau in Tirol Bild: Fercam AG

„Die einseitigen Förderungsmaßnahmen der Rollenden Landstraße durch Tirol sind leider eher kurzsichtig und gehen in die falsche Richtung, zumal die RoLa den Verkehr nur für kurze Strecken verlagert und auf dieser Trasse dem Unbegleiteten Kombinierten Verkehr die Trassen wegnimmt, der hingegen lange Transporte von der Straße auf die Schiene verlagert und somit mehr Vorteile für die Umwelt bringt.“ So lautet der Kernsatz einer Stellungnahme des Präsidenten der Fercam AG, Dr. Thomas Baumgartner, zum Ausbau und zur Förderung der Rollenden Landstraße zwischen Brenner/Trient und Wörgl.

Die Fördermaßnahme sollte in gleicher Weise auch für den Unbegleiteten Kombinierten Verkehr (UKV) gelten, ansonsten erweise sie sich als reine Subventionierung, appelliert der Unternehmer. Für ihn wäre ein weitsichtigers Denken der Politik höchst angebracht, indem man sich stärker für den UKV mittels Auflieger oder Container einsetzt. Daher sollte die Tatsache, dass die ÖBB diese Transporte auf der Brennerstrecke mangels Verladeterminals nicht erbringen kann, nicht von einer sachlichen und objektiven österreichischen Verkehrs- und Verlagerungspolitik zum Wohle der Bevölkerung abbringen.

Selbst der Obmann des Transitforums Austria und langjähriger Transitgegner Franz Gurgiser, dem wohl keinesfalls eine Nähe zu Speditionsunternehmen nachgesagt werden kann, habe den Ausbau der RoLa ohne entsprechende Lärmschutzmaßnahmen scharf kritisiert und als „Anschlag auf die Bevölkerung des Inntals“ bezeichnet, zumal mittlerweile allgemein bekannt sei, dass der Zug wesentlich mehr Lärmbelastung produziert als sämtliche Lkw und vor allem jene der jüngsten Generation, wie sie zum Standard unseres Fuhrparks gehören, argumentiert Thomas Baumgartner.

Generell täte für ihn die Politik gut daran, nicht rein auf die Verlagerung auf die Schiene zu setzen. Denn auch mit dem zukünftigen Brenner Basis Tunnel (BBT) und ausgebauten Zulaufstrecken und hoffentlich auch ausgebauten Umschlagterminals im Süden sowie im Norden der Alpen, könne der derzeitige Verkehr nicht vollständig verlagert werden. Man sollte somit weiter auch den Austausch der Lkw, welche in Tirol verkehren, sei es im Transit als auch im Quell- und Zielverkehr, fördern.

Die derzeit bestehenden unterschiedlichen Beschränkungen für den lokalen- und den Transitverkehr bezeichnet der Fercam-Präsident als wettbewerbsverzerrend und nicht zielführend.  Statt Verbote sollten lärm- und abgasarme Lkw wie Elektro- oder mit Flüssiggas-betriebene von sämtlichen Verboten und der überhöhten Nachtmaut von Innsbruck zum Brenner ausgenommen werden. Dadurch hätten sämtliche Unternehmer einen Anreiz, die Fahrzeuge so schnell wie möglich auszutauschen, was zu einer viel höheren Verminderung der Lärm- und Abgasbelastung führen würde als die hohen Subventionen und Förderungen der RoLa.

Davon abgesehen weisen die Rola-Züge eine geringere Nettonutzlast gegenüber dem UKV auf. Ein durchschnittlicher Rola-Zug transportiert rund 20 Lkw, während ein UKV-Zug 36 Straßensendungen verlagert, bekräftigt Thomas Baumgartner seine Standpunkte.

Sämtliche Arten des Kombinierten Verkehrs werden derzeit öffentlich gestützt, zumal sie in keinem Land aus eigener finanziellen Kraft arbeiten. Erst kürzlich haben sämtliche in der Schweiz tätigen Eisenbahnoperateure darauf hingewiesen, dass für die Wettbewerbsfähigkeit des UKV im alpenquerenden Verkehr und für die Fortsetzung der Verlagerung zusätzliche Maßnahmen erforderlich und die Förderungen im UKV trotz Fertigstellung des Gotthard- und des Ceneri Tunnels mit jährlich 55 Mio. CHF fortgesetzt werden müssen, um eine Rückverlagerung auf die Straße zu vermeiden. „In keinster Weise wird dabei eine Förderung der RoLa (RAlpin) von Novara nach Freiburg angesprochen“, so Thomas Baumgartner.

Die Fercam AG besitzt lange Erfahrung im Kombinierten Verkehr über den Brenner. Bereits 1976 wurden die ersten 30 kombitauglichen Wechselbrücken für Einsätze auf der Relation Verona-München angeschafft. Zwei Jahre später startete das Logistikunternehmen zusammen mit der italienischen Kombigesellschaft CEMAT, die die Zusammenarbeit mit der staatlichen Eisenbahn koordinierte, einen kombinierten Verkehr auf der Strecke Mailand-Mannheim.

www.fercam.com

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