„Die Tätigkeit der Spediteure ist hochtechnologisch geworden“

Auf den neuen Obmann im Fachverband Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Österreich wartet – wie schon bei seinen Vorgängern – viel Arbeit. Neben zahlreichen anderen Themen erachtet Alfred Wolfram die Aus- und Weiterbildung als ein Schlüsselthema zur Wahrung der Zukunftsfähigkeit der Unternehmen.

„Die Tätigkeit der Spediteure  ist hochtechnologisch geworden“ Bild: Nur mit engagierten jungen Arbeitskräften bleibt die Logistikbranche zeitgemäß.

WIEN. Alfred Wolfram ist aus zweierlei Gründen ein angenehmer Gesprächspartner. Erstens besitzt der neue Obmann im Fachverband Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Österreich umfassende branchen- und unternehmensspezifische Kenntnisse. In dieser Hinsicht kann ihm niemand so leicht etwas vormachen. Umgekehrt teilt er sein Know-how gerne mit anderen interessierten Personen, wenn ihnen danach ist. Dabei profitiert er von seiner zweiten positiven Charaktereigenschaft, der umgänglichen Art. Zwar vertritt der gelernte Spediteur und Absolvent der Ausbildung zum Exportkaufmann an der Wirtschaftsuniversität Wien bei gewissen Themen klare Standpunkte, an denen er gegebenenfalls eisern festhält. Jedoch tut er das nie in einer menschlich unguten Art und Weise. Außerdem besitzt er jenes Maß an Kompromissfähigkeit, der die Sozialpartnerschaft in Österreich ihre größten Erfolge verdankt.

Er sei eigentlich durch Zufall Spediteur geworden, leitet Alfred Wolfram das Gespräch mit der Österreichischen Verkehrszeitung ein. Demnach wusste er im Alter von 14 Jahren nicht so recht, welchen beruflichen Weg er einschlagen sollte. Ein Onkel gab ihm den Ratschlag zur Lehre in einer internationalen Spedition, da er so gerne reise und an fremden Ländern und Kulturen interessiert sei. Es folgte der Berufseinstieg bei der Spedition Intercontinentale. Nach dem Lehrabschluss wechselte der Jungspediteur zu einem kleinen Unternehmen und später zur Schenker & CO AG, bei der er 30 Jahre beschäftigt war. Dann fasste er den Entschluss zur Gründung eines eigenen Unternehmens. Die Wolfram Logistik GmbH besteht seit zehn Jahren und bekleidet die Rolle als offizieller Repräsentant der Hafenmarketinggesellschaft bremenports.

„Jetzt müssen wir das Rad weiterdrehen“, sagt Alfred Wolfram explizit. Das sei schon immer so gewesen. Trotzdem könnten viele Menschen die Rolle der Speditionen nicht so richtig einschätzen. Sie denken bei diesem Gewerbe automatisch an Betreiber von großen Lkw-Flotten mit einem geringen Beitrag zum Umweltschutz. Dabei sei genau das Gegenteil der Fall und bereiteten die Unternehmen mit ihren Konzepten zur Bündelung von Warenströmen und zur Verknüpfung der Verkehrsträger den Weg zur Herbeiführung des Szenarios der Klimaneutralität auf. Und, so ergänzt er: „Unsere Branche ist hochtechnologisch geworden“.

Damit das so bleibt, benötigen Österreichs Speditions- und Logistikunternehmen engagierte Nachwuchskräfte. Dafür wurden in den letzten Jahren zahlreiche Ausbildungskonzepte entwickelt und umgesetzt. Diese werden von den Berufswettbewerben AustrianSkills, EuroSkills und WorldSkills begleitet. Letztere finden im Herbst 2019 – mit einer österreichischen Teilnehmerin – in Kasan, Russland, statt. In den Augen von Alfred Wolfram sind gute Spediteure flexibel, belastbar und mit jenem Sprachentalent ausgestattet, das ihnen die Kommunikation mit anderen Menschen erleichtert. „Unsere Branche ist und bleibt ein ‚people business‘. Das verlangt den Mitarbeitenden schon eine gewisse Kontakt- und Kommunikationsfähigkeit ab“, lautet seine Einschätzung.

Gerade weil gewissen Menschen die Grundkenntnisse über die Speditions- und Logistikbranche im Allgemeinen und über die Berufschancen im Speziellen fehlen, hat der Fachverband Spedition und Logistik in der Wirtschaftskammer Österreich eine neue App mit zahlreichen sachdienlichen Informationen über die einzelnen Berufsfelder programmiert. Sie wird in der Kalenderwoche 28 offiziell vorgestellt und soll Jugendlichen Hilfestellungen bei der Berufswahl bieten. Außerdem eröffnet sie einen Einblick in die Fragenkataloge bei den Lehrabschlussprüfungen, was die Vorbereitungen darauf erleichtern soll. Denn nichts kann die Branche weniger gebrauchen als junge Menschen, die sich nach einer drei- bis vierjährigen Lehrzeit ohne Berufsabschluss wieder von ihr abwenden.

JOACHIM HORVATH

Werbung