„Europa muss Herr seiner Infrastruktur bleiben!“

In der Wirtschaftskammer Österreich würde man es begrüßen, wenn die für unser Land bedeutenden Infrastrukturen im Einflussbereich der EU-Staaten verbleiben. Dafür schlägt Mag. Alexander Klacska, Obmann in der Sektion Transport und Verkehr, die Eirichtung eines Zukunftsfonds für relevante Unternehmensbeteiligungen vor.

„Europa muss Herr  seiner Infrastruktur bleiben!“ Bild: In den Seehäfen in Triest, Koper und Rijeka befinden sich für Österreich relevante Infrastrukturen.

WIEN. Beim Thema China-Verkehr neigt Mag. Alexander Klacska zu einer differenzierten Sichtweise. Einerseits rechnet er mit einem weiteren Anstieg der Warenströme von Produzenten und Handelsplattformen im Reich der Mitte nach Europa und retour. Daraus sollte für die vielen Beteiligten in den Logistikketten eine weiterhin stabile Beschäftigungslage entstehen. Jedoch verfolgt der Obmann in der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) auch die damit verbundenen Entwicklungen im Bereich der relevanten Infrastrukturen aufmerksam. Es ist für ihn unbestritten, dass die chinesischen Logistiker und Großverlader nach Möglichkeiten für eine stärkere Einflussnahme bei der Abwicklung ihrer Ladungsströme in Europa suchen.

Im Hafen Piräus zeigt sich deutlich, was die Investoren aus dem Reich der Mitte zu leisten imstande sind. Hier hat die Cosco Group die Anlagen für den Containerumschlag wieder in Schuss gebracht und erste regelmäßige Rundlauf-Linienverkehre auf der Schiene von/nach Zentral- und Südosteuropa aufgebaut. Auch in Zeebrugge und Rotterdam halten chinesische Unternehmen bereits Beteiligungen an Containerterminals. Zuletzt kursierten in den internationalen Medien Berichte über ein unmittelbar bevorstehendes Engagement der Cosco Group – getragen von einer Gesamtinvestition im Umfang von 1 Mrd. USD – im Hafen Triest. Das wäre dann direkt vor der Haustüre nach Österreich.

Im Hafen Rijeka entsteht momentan ein neues Containerterminal, zu 85 Prozent gefördert von der Europäischen Union. Über seinen Sinn und Zweck können Fachleute nur Vermutungen anstellen, wo doch das bestehende Containerterminal gerade eine Erweiterung und Modernisierung durchläuft und im Jahresschnitt nur zu etwa einem Drittel ausgelastet ist. Vertreter der Betreibergesellschaft Adriatic Gate Container Terminal (AGCT), ein Unternehmen des weltweit tätigen Hafenlogistikkonzerns ICTSI mit Hauptsitz in Manila auf den Philippinen, schließen gegenüber der Österreichischen Verkehrszeitung ein Konzessionsansuchen für das neue Projekt kategorisch aus. Daher scheint es wie geschaffen für die Umsetzung der strategischen Interessen der kapitalstarken Reedereien und Seefrachtlogistiker aus China.

„Europa muss Herr seiner Infrastruktur bleiben“, appelliert Alexander Klacska in Anbetracht dieser Tatsachen. Dafür schlägt er als Maßnahme zur Absicherung der österreichischen Interessen die Schaffung eines Zukunftsfonds „für Beteiligungen an den für unser Land relevanten Infrastruktur-Einrichtungen“ vor. Das können Umschlag- und Logistikanlagen in den Häfen in der Nordadria und Flughäfen in der Region. Nicht zu vergessen das Thema Breitspurbahn, wo sich für den Spartenobmann entscheidet, „ob wir zusätzliche wichtige Wertschöpfung in Form von anspruchsvollen Logistikdiensten nach Österreich holen oder vom Transitverkehr überrollt werden“.

Die Staaten am Westbalkan sowie teilweise auch Italien benötigen für die Modernisierung ihrer Seehäfen, Airports und Bahnachsen für den Schienengüterverkehr finanzielle Unterstützung aus dem Ausland. Chinesische Geldgeber sind dazu gerne bereit. Sie schaffen damit nicht nur Abhängigkeitsverhältnisse, sondern sichern sich so auch einen Einfluss auf die Gestaltung der interkontinentalen Logistikketten. Wenn die Europäische Union diesen Entwicklungsszenarien weiter tatenlos zusieht, werden die besten „Filetstücke“ bald an die Investoren aus dem Reich der Mitte vergeben sein. Dann laufen die von den zahlreichen E-Commerce-Plattformen befeuerten steigenden Transportmengen per Luft- und Seefracht weitgehend an den deutschen und österreichischen Logistikdienstleistern vorbei, warnen Fachleute.

Ihrer Meinung schließt sich Alexander Klacska mit dem Vorschlag zur Einrichtung des Zukunftsfonds ein. Dieser sollte zunächst mit 300-500 Mio. Euro dotiert sein. Das sei zwar ein steiniger aber bestimmt machbarer Weg, schätzt der Spartenobmann. Dafür hält er Steuerbegünstigungen für Anleger für angebracht. Noch dazu seien Investitionen für Infrastrukturprojekte sichere Anlagen, „die unter normalen Umständen jedes Jahr vernünftige Renditen abwerfen“. Wo der Zukunftsfonds dann seine Finanzmittel einsetze, bliebe den dafür zu bestimmenden Gremien überlassen, sagt Alexander Klacska. Er für seinen Teil sieht im Ausbau der Schieneninfrastruktur in den slowenischen Seehafen Koper eines der wichtigsten Projekte für den österreichischen Überseehandel.

JOACHIM HORVATH

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