Viele Logistiker treten die Digitalisierung im Blindflug an

Etwa ein Viertel der in der Branche tätigen Firmen hat keine Erfolgsmessung etabliert und besitzt keine Transparenz über die Realisierung geplanter finanzieller Effekte.

Viele Logistiker treten die Digitalisierung im Blindflug an Bild: LinkedIn / Sebastian Pieper

Die Logistik- und Transportindustrie steckt in einer digitalen „Zwickmühle“: Obwohl die überwiegende Mehrheit der Unternehmen ihre digitale Transformation angestoßen hat, gelingt es nur wenigen Firmen, neue Technologie breit zu implementieren und wirksam zu skalieren. Das geht aus der Studie „Transport und Logistik im Wandel: Stand der digitalen Transformation 2025“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC, und der Bundesvereinigung Logistik (BVL) hervor.

Demnach stufen rund zwei Drittel der 115 befragten Logistikdienstleister, vorrangig aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, ihren eigenen digitalen Reifegrad als niedrig bis mittel ein. Zwar verfügen 69 Prozent der Unternehmen über strategische Leitplanken zur Digitalisierung, doch nur knapp ein Drittel schafft es, diese auch operativ in den Geschäftsalltag zu überführen.

Die Folge: Der erhoffte Mehrwert für Geschäft und Kunden bleibt für die Mehrheit der Branche trotz steigender Ausgaben bislang aus. Viele Logistiker setzen laut Studie vor allem Maßnahmen um, die sich durch Effizienzgewinne direkt im Betrieb auszahlen.

So automatisieren 76 Prozent der Unternehmen ihre Abläufe, etwa bei der Tourenplanung, im Lager oder in der Verwaltung. Etwas mehr als die Hälfte nutzt Business Intelligence-Lösungen, die zum Beispiel eine effektive Kapazitätssteuerung ermöglichen. 44 Prozent investieren in ihre IT- und Cloud-Infrastruktur.

Langfristig zahlen sich digitale Investitionen aber nur aus, wenn sie auch Innovationsprojekte finanzieren. Besonders großes Transformationspotenzial sieht die Branche hierbei in Generative Artificial Intelligence (GenAI). Das ist ein fortgeschrittenes Konzept in der Künstlichen Intelligenz (KI ), das darauf abzielt, Maschinen zu befähigen, originelle und kreative Inhalte zu generieren.

Je nach Marktsegment rechnen Unternehmen dabei mit Profitabilitätssteigerungen von 1,4 bis 4,4 Prozentpunkten. Allerdings offenbart sich auch hier das Digitalisierungsparadox: Zwar beschäftigen sich nahezu 80 Prozent aktiv mit GenAI, aber nur 3 Prozent haben die Technologie unternehmensweit integriert und skaliert.

„Logistikunternehmen setzen große Hoffnungen in GenAI als Hebel für ihre digitale Transformation. Bislang kommt die Technologie aber vor allem dort zum Einsatz, wo es erprobte Lösungen gibt, etwa in Funktionen wie Finanz- und Rechnungswesen, sowie Marketing und Vertrieb“, erklärt Sebastian Pieper, Director bei Strategy& Deutschland.

Allerdings müssten eigene Use Cases für die logistischen Kernprozesse stärker in den Fokus rücken. „Viele unserer Befragten halten Anwendungsfälle im Bereich Tourenplanung und Routenoptimierung oder der Analyse von Kunden- und Wettbewerbsdaten für hochrelevant. Wer solche Potenziale erschließt, kann sich einen realen Wettbewerbsvorteil sichern“, meint Sebastian Pieper.

Die größten Hürden der digitalen Transformation sind laut Studie nicht technischer, sondern organisatorischer Natur. Etwas weniger als die Hälfte der Unternehmen identifiziert fehlende strategische Prioritäten als zentrales Hindernis. Rund ein Drittel scheitert an Vorbehalten der eigenen Belegschaft. Als Erfolgsfaktoren nennen 70 Prozent eine klare Strategie, 49 Prozent ein klares Bekenntnis der Führungskräfte und 41 Prozent konsequentes Change Management.

Bemerkenswert ist, dass viele Unternehmen ihre Digitalisierung im Blindflug antreten. Etwa ein Viertel der Logistiker hat bislang keine Erfolgsmessung etabliert und besitzt keine Transparenz über die Realisierung geplanter finanzieller Effekte. Fast jedes fünfte Unternehmen stellt zudem erhebliche Lücken zwischen geplanten und realisierten Effekten fest.

Um diese Lücken zu schließen, sollten Logistiker laut Studie ihre digitale Transformation konsequent an den Geschäftsanforderungen ausrichten und eine strategische Programmleitung etablieren, die Entscheidungen vorantreibt, ein aktives Risikomanagement leistet und den Business Case im Blick hat.

„Der Wirtschaftsbereich Logistik ist ein zentrales Bindeglied unserer globalen und hochvernetzten Wertschöpfungsketten. Logistiker agieren in einem herausfordernden Marktumfeld, das durch ansteigende Kundenanforderungen an Effizienz, Geschwindigkeit und Digitalisierung geprägt ist“, stellt Sebastian Pieper fest.

Um sich in diesem Kontext zu behaupten, müssten die Logistiker effizienter arbeiten und zugleich Innovationen vorantreiben. Digitale Technologie sei ein Schlüssel, um beides erfolgreich anzugehen – allerdings nur, wenn sie richtig eingesetzt, klug gesteuert und kontinuierlich kontrolliert werde, so der Strategieberater.

Während digitale Vorreiter klare Roadmaps verfolgten und von signifikanten Effizienz- und Umsatzsteigerungen profitieren, würden die reaktiv handelnden Unternehmen ohne formalisierte Strategie riskieren, den Anschluss zu verlieren. „Besonders für kleine bis mittelgroße Betriebe wird das zum existenziellen Risiko. Ihnen droht eine strategische Lücke – denn ohne Skalierung bleibt Digitalisierung ein Kostenfaktor, statt zum Wettbewerbsvorteil zu werden“, warnt Sebastian Pieper.

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