Ohne die weitreichende Liberalisierung des europäischen Schienengüterverkehrs, die vor 25 Jahren eingeleitet wurde, wäre der Kombinierte Verkehr – heute eine Zukunftshoffnung in der Bahnlogistik – kaum denkbar. Erst durch die Öffnung des europäischen Infrastrukturnetzes für eine Vielzahl neuer Eisenbahnverkehrsunternehmen sind die bestehenden Kapazitäten möglich geworden.
In Österreich begann das Kapitel der Marktliberalisierung im Jahr 1998 mit der formalen Öffnung des nationalen Schienennetzes auch für Drittanbieter. Am 1. April 2001 war es dann so weit: Mit der Inbetriebnahme des ersten Güterzuges eines privaten Eisenbahnverkehrsunternehmens startete eine neue Ära.
Die Entwicklung des Schienengüterverkehrs seit der Liberalisierung und die daraus resultierenden Chancen für den Kombinierten Verkehr standen im Fokus der heurigen CombiNet-Tagung am 6. November 2025 in Wien. Deren Motto lautete: „25 Jahre Bahnliberalisierung – Ein Faktencheck“.
Unter der Diskussionsleitung von Alexander Till, Leiter der Repräsentanz des Hamburger Hafens in Wien, berichtete eine Expertenrunde von den Anfängen über Herausforderungen bis zu Erfolgsgeschichten im Wandel der Zeit: Armin Riedl, Kombiverkehr Deutsche Gesellschaft für kombinierten Güterverkehr mbH & Co. KG, Markus Schinko, Logistik Service GmbH, Marcus Grausam, vormals A1 Telekom Austria AG, Andreas Mandl, LTE group, und Monika Gindl-Muzik, WienCont Container Terminal Gesellschaft.
Der zweite Teil der CombiNet Tagung befasste sich mit der Fragestellung „Marktliberalisierung & Perspektiven für die Zukunft – Was haben wir gelernt, wo geht es hin?“ Bei diesem Podiumsgespräch ebenfalls mit dabei waren Wilhelm Patzner, CER Cargo Holding, Jochen Weber, Gartner KG, und Christian Glauninger, Montan Speditionsges.m.b.H.
Dass der Kombinierte Verkehr in Europa auf lange Sicht einen Aufschwung erlebt, erwartet der neue Obmann im Verein CombiNet, Nikolaus Hirnschall. Allerdings seien von allen Stakeholdern noch etliche Hausaufgaben zu machen, damit das Aufkommen auf der Schiene wächst.
Dabei sollte das Hauptaugenmerk der Verkehrspolitik auf der Umsetzung von Maßnahmen liegen, die den Intermodal-Spezialisten das Leben erleichtern, meint Nikolaus Hirnschall. Zuletzt seien die Kosten für das System Schiene stärker gestiegen als für den Straßengüterverkehr.
Hier müssten Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, appelliert der CombiNet-Obmann. Was der hauptberufliche Geschäftsführer der Roland Spedition analog zu seinen Branchenkollegen zudem vermisst, ist die Interoperabilität der Bahnsysteme in den europäischen Ländern.
„Heute können Sie einen Lkw-Fahrer problemlos für einen Transport von Portugal nach Österreich oder von Schweden nach Rumänien entsenden. Er setzt sich ans Steuer und fährt. Auf der Schiene geht das nicht“, erklärt der CombiNet-Obmann an einem Beispiel.
Er sieht aber auch einige positive Entwicklungsszenarien für den Kombinierten Verkehr. Eines davon sind die in seinen Augen zunehmenden Problembereiche auf der Straße. Die zahlreichen Baustellen und Stausituationen in Europa beeinträchtigen die Zuverlässigkeit der Lkw-Transporte.
Dazu kommt der Fahrermangel, der sich bei einer anziehenden Konjunktur verschärfen dürfte. Ausgerechnet die Bahnbaustelle auf der Magistrale zwischen Passau und Regensburg könnte der Logistikbranche und der verladenden Wirtschaft einen Vorgeschmack darauf geben.
Gleichzeitig wächst das Bewusstsein, dass die Zukunft der grenzüberschreitenden Langstreckenverkehre nur in einer Bündelung der Güterströme liegen kann. „Dafür eignet sich der Kombinierte Verkehr wie kaum ein anderes Lösungsmodell“, betont Nikolaus Hirnschall.
