„Unsere Wachstumschancen liegen im zentraleuropäischen Hinterland“

Am Adriatic Gate Container Terminal in Rijeka setzt man große Erwartungen in die verkehrsgeographisch günstige Lage für die Bedienung der Länder in Zentral- und Osteuropa. Darüber hinaus bringt das Management die ausreichend vorhandenen Kapazitätsreserven und die kosteneffizienten Betriebsabläufe ins Spiel.

„Unsere Wachstumschancen liegen im zentraleuropäischen Hinterland“ Bild: Jeden Freitag liegt am Adriatic Gate Container Terminal ein Schiff der 2M Alliance vor Anker.

RIJEKA. Wenn die Verantwortlichen der philippinischen ICTSI Group das alles vorausgesehen haben, dann muss man vor ihnen den Hut ziehen. Jedenfalls war am Containerterminal im Hafen Rijeka nicht viel los, als sie im Jahr 2011 den Entschluss für den Erwerb einer Mehrheitsbeteiligung fassten und vertraglich fixierten. Hauptsächlich Sendungen aus dem Raum Ex-Jugoslawien passierten damals die Kaianlagen. Ihr An- und Abtransport erfolgte zur Gänze per Lkw, wobei sich das Gesamtaufkommen in Grenzen hielt. Von einem gewinnträchtigen Betrieb konnte keine Rede sein. Doch es gab bestimmte Anzeichen für eine Wende zum Besseren, etwa den im Sommer 2019 anberaumten Beitritt Kroatiens zur Europäischen Union sowie die fixe Zusage der Hafenverwaltung für den Ausbau der Hinterlandverkehre auf der Schiene.

Operativ wirksam wurde das Engagement der International Container Terminal Services, Inc. (ICTSI) im Jahr 2012. Seither musste das Unternehmen am Adriatic Gate Containter Terminal harte Bretter bohren. Doch es gab zwei Entwicklungsszenarien, die dem Projekt zum Durchbruch verhalfen. Zunächst beflügelte der planmäßig vollzogene EU-Beitritt von Kroatien den interkontinentalen Warenverkehr zur See via Rijeka. Vor allem die Seefrachten von und nach Ungarn verzeichneten eine deutlich steigende Tendenz. Parallel dazu entstanden neue Leitungswege von und nach den Ländern Slowakei, Tschechien und Polen. Als dann zur Jahreswende 2015/16 auch noch die Liberalisierung des Schienengüterverkehrs in Kroatien Realität wurde, gab es einen weiteren Wachstumsimpuls.

Mittlerweile schreibt das zu 51 Prozent im Besitz von ICTSI befindliche Adriatic Gate Container Terminal (die restlichen 49 Prozent des Stammkapitals werden von Luka Rijeka gehalten) schwarze Zahlen. Das erfüllt Wojciech Szymulewicz mit Genugtuung. Der gebürtige Pole bekleidet seit drei Jahren die Funktion als Chief Executive Officer des Containerterminals. In dieser Rolle musste er zunächst einmal Maßnahmen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Kennzahlen setzen und gleichzeitig den potenziellen Geschäftspartnern im zentraleuropäischen Hinterland den Bekanntheitsgrad und die Leistungsfähigkeit des Hafenstandortes verständlich machen. Beides ist ihm offenbar gelungen.

Für 2018 steht am Adriatic Gate Container Terminal bei einem Gesamtumschlag von 227.000 TEU ein positives operatives Ergebnis zu Buche. „Das verdanken wir der tatkräftigen Unterstützung durch die Hafenverwaltung sowie dem Einsatz unserer Mitarbeitenden“, stellt Wojciech Szymulewicz fest. Daran geknüpft ist seine feste Überzeugung, „dass wir in Rijeka ein viel größeres Containeraufkommen bewältigen können“. Mit der momentanen Jahreskapazität von rund 500.0000 TEU sei das Containerterminal noch nicht einmal zur Hälfte ausgelastet. Der augenblickliche Nutzungsgrad der Kaianlage betrage gar nur 26 Prozent. Da gebe es also noch viel Luft nach oben.

Für Wojciech Szymulewicz liegt die Zukunft des Hafen Rijeka in den Ländern in Zentral- und Osteuropa. Kroatien sei mit knapp 100.000 TEU Gesamtaufkommen im Jahr viel zu klein, als dass es dem Adriatic Gate Container Terminal einen wirtschaftlich profitablen Betrieb sichern könnte, lautet seine Einschätzung der Sachlage. Umso größere Bedeutung misst er Ungarn bei, das sich in den vergangenen zwei Jahren zu einem wichtigen Markt für den Hafen Rijeka neben Serbien und Bosnien-Herzegowina entwickelt habe. In dieses Land gebe es mittlerweile zahlreiche intermodale Regelverkehre auf der Schiene, darunter auch eine Testreihe der Cosco Shipping Lines.

Damit das derzeit mit 73.000 TEU Jahreskapazität begrenzte und fast zur Gänze genutzte Bahnangebot am Adriatic Gate Container Terminal einen weiteren Auftrieb erfährt, wird der Intermodal Yard bis im Herbst 2019 deutlich erweitert. „Wir schaffen ein neues Bahnmodul mit vier Gleisen für die Abfertigung von bis zu 300.000 TEU im Jahr“, erläutert Wojciech Szymulewicz im Gespräch mit der Zeitschrift LogEASTics. Begleitend dazu wird der Liegeplatz 1 auf 14,88 Meter vertieft, wodurch in Rijeka zukünftig bis zu 400 Meter lange Containerschiffe anlegen können. Damit und mit der Auslegung als „Smart Port“ mit der Befähigung zu einer weitgehend papierlosen Abfertigung der Containersendungen will sich der kroatische Hafen auch in Österreich stärker positionieren, das im Vorjahr rund 15.000 TEU oder sieben Prozent zum Containervolumen beigesteuert hat.

JOACHIM HORVATH

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