„Resilienz in der Logistik gibt es nicht zum Nulltarif“

Beim 9. VNL Logistik-Forum Wien gaben Top-Manager Handlungsempfehlungen für die Absicherung von globalen Lieferketten.

„Resilienz in der Logistik gibt es nicht zum Nulltarif“ Bild: VNL Post Stefanie Steindl / Von links: Bernd Winter (VNL), Clemens Först (ÖBB Rail Cargo Group), Herbert Traxler (LKW WALTER), Christian Steindl (Tailwind Intermodal), Peter Umundum (Österreichische Post), Bundesminister Peter Hanke, Franz Staberhofer (VNL), Sylvia Völker (VNL), Andrea Faast (Wirtschaftskammer Wien), Peter Stelzer (ivii), Wolfgang Knezek (Frauenthal Group) und Veit Kohnhauser (Logistikum FH OÖ)

Trotz Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz stehen die Menschen weiter im Zentrum der Logistik. Darüber bestand Einigkeit unter den Teilnehmern am 9. VNL-Logistik-Forum Wien, das am 2. Oktober in der Zentrale der Österreichischen Post stattgefunden hat.

Bundesminister Peter Hanke berichtete auf der Veranstaltung von unglaublich schwierigen Zeiten für die Volkswirtschaft und für die Unternehmen, in denen das Thema Innovation im Vordergrund zu stehen habe. Sein Ressort werde unter anderem mit Initiativen zur Förderung der Intermodalität nach vorne denken.

„Wir müssen Maßnahmen zur Verbesserung der Infrastruktur anstoßen. Dafür arbeitet die Bundesregierung an einer Logistik-Standortstrategie, die rasch fertiggestellt sein soll. Ziel ist ein konjunkturförderndes und zukunftsorientiertes Konzept zum Wohl der Wirtschaft“, kündigte der Verkehrsminister an.

Bei der anschließenden Diskussion zum Thema „Resilienz in Lieferketten“ erörterte eine Expertenrunde die Bedeutung von Risikomanagement in der Logistik vor dem Hintergrund der zunehmenden Handelsrestriktionen. Dafür müssten Unternehmen tiefer in die Lieferketten eindringen. Das werde rasch sehr komplex. Zölle seien heute Instrumentarien für die Durchsetzung von geopolitischen Interessen. Cyberangriffe auf Betriebe und Institutionen häuften sich.

Im Folgenden die Statements der Diskussionsteilnehmer zum Thema „Risikomanagement in globalen Lieferketten“:

Peter Umundum, Vorstand Paket & Logistik Österreichische Post: „Risiken zu managen und den hohen Servicelevel zu erhalten, gehört zu unserem Geschäftsmodell. Dafür muss man rechtzeitig und vorausschauend in Wachstum investieren, etwa in eine breite geographische Aufstellung. Knackpunkte sind in Krisen die IT und die personellen Ressourcen.“

Clemens Först, CEO ÖBB Rail Cargo Group: „Der Zustand der Schieneninfrastruktur in den Nachbarländern veranlasst uns zu strategischen Vorgehensweisen. Wir haben gelernt, uns auf nichts mehr zu verlassen. Außerdem wird jede Investitionsentscheidung, die wir treffen, vorher kritisch hinterfragt.“

Herbert Traxler, Vorstandsvorsitzender LKW WALTER: „Wir entwickeln im ganzen Unternehmen ein Bewusstsein dafür, was Resilienz bedeutet. Zu diesem Zweck wurde eine spezielle Sensorik aufgebaut. Darüber hinaus betrachten wir Risiken auch als Chance für die Umsetzung von innovativen Maßnahmen zur Steigerung der Resilienz.“

Christian Steindl, Geschäftsführer Tailwind Intermodal: „Beim Lidl-Konzern muss die Saisonware rechtzeitig in den Regalen der Verkaufsstandorte verfügbar sein. Dafür wurde seit der Corona-Pandemie ein neues Setup geschaffen. Mit der Reederei Tailwind Shipping und den Hinterlandverkehren von Tailwind Intermodal gehen wir auf Nummer sicher. So können wir bei Bedarf kurzfristig auf andere Häfen in der nördlichen Adria ausweichen.“

Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es Resilienz in den Lieferketten und bei der damit verbundenen Logistik nicht zum Nulltarif geben kann. Maßnahmen zur Absicherung der Transportabläufe vor Ausfällen und Cyberattacken erforderten beträchtliche Investitionen. Dafür benötigten die beauftragten Dienstleister eine faire Abgeltung. Ihren Kunden geben die Logistikmanager folgende Handlungsempfehlungen:

Peter Umundum: „Blicken Sie ganz tief in die Prozesse hinein und nutzen Sie jede Chance für den Aufbau von Redundanz.“

Clemens Först: „Um für alle Fälle gerüstet zu sein, sollten Unternehmen für sämtliche Stationen in den Lieferketten einen Plan B und einen Plan C entwickeln. Man darf sich in der momentanen geopolitischen Situation auf nichts mehr verlassen.“

Herbert Traxler: „Ich empfehle unseren Geschäftspartnern den Aufbau von Risk Management Systemen von A-Z. Bei Bedarf unterstützen unsere Spezialisten die verladende Wirtschaft im Rahmen von Workshops.“

Christian Steindl: „Buchen Sie ihre Containertransporte zur See bei Tailwind Shipping. Unsere Schiffe haben Lidl-Sendungen an Bord, die pünktlich an den Verkaufsstandorten eintreffen müssen. Abweichungen lösen frühzeitige gegensteuernde Maßnahmen zur Einhaltung der Laufzeiten aus.“

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