ÖBB-Holding: DAK ist essentiell für die Bahnlogistik

Das europaweite Migration der Digitalen Automatischen Kupplung soll ab dem Jahr 2028 erfolgen.

ÖBB-Holding: DAK ist essentiell für die Bahnlogistik Bild: ÖVZ / Joachim Horvath

ÖBB CTO Mark Topal, Co-Chairman im europäischen Projekt Europe’s Rail Joint Undertaking FP5 und Programmmanager im European Dac Delivery Program, hat am 29. September am Verschiebebahnhof Kledering den DAC4EU-Zug vorgestellt. Das Konsortium DAC4EU besteht aus der DB AG, den Güterbahnen ÖBB Rail Cargo Group, DB Cargo und SBB Cargo sowie den Wagenhaltern Ermewa, GATX Rail Europe und VTG.

DAK steht für Digitale Automatische Kupplung. Das Pilotprojekt des deutschen Bundesministeriums für Digitales und Verkehr zur Beschleunigung des DAK-Migrationsprozesses zur Demonstration, Erprobung und Zulassung der DAK wurde am 22. Juni.2020 an das Konsortium DAC4EU (= Digital Automatic Coupling for Europe) vergeben. Die DAK wird die Position der Bahnlogistik im Wettbewerb mit dem Verkehrsträger Straße stärken. Von ihr erwarten sich die Spezialisten entscheidende Vorteile für den Schienengüterverkehr.

  • Die Einführung der DAK reduziert den Aufwand bei Verschubtätigkeiten erheblich. Automatisches Kuppeln (DAK Typ 4) und automatisches Entkuppeln (DAK Typ 5) können bei einem vollständigen Güterzug im Vergleich zu den manuellen Tätigkeiten zu signifikanter Zeitersparnis führen. Das bewirke einerseits eine Steigerung der Produktivität um 20-30 Prozent verbunden mit einer Kostenreduktion aber zeitgleich auch mehr Kapazität der Anlagen durch schnelle Durchlaufzeiten, räumte Mark Topal ein.
  • Durch die DAK können auch die Zugvorbereitungsprozesse vereinfacht und teilweise automatisiert werden. Dies betrifft die Wageninspektion, das Erstellen der Wagenliste aber auch die automatisierte Bremsprobe.
  • DAK-Güterzüge können schwerere Lasten ziehen und damit die seitens Netzbetreiber vorgegebenen Zuglängen auch bei schweren Zügen maximal ausnützen.
  • Mit der DAK ist es möglich, die Zugintegrität bei Güterzügen zu ermöglichen und somit die Grundlage für einen „ETCS Level 3 Betrieb mit moving block“ zu schaffen. Dadurch werden dichtere Zugfolgen möglich, was wiederum die Kapazität der Infrastruktur deutlich erhöht.
  • Zusätzlich ergeben sich durch die Verfügbarkeit von Strom- und Datenleitugn mittels Sensorik und Telematikanwendungen neue Möglichkeiten für Kundeninformationen in Echtzeit, Ladungsüberwachung, zustandsorientierte Instandhaltung der Wagen aber auch Überwachung sicherheitsrelevanter Aspekte für den Betrieb.

Die technologische Entwicklung der DAK erfolgt im europäischen Projekt Europe’s Rail Joint Undertaking FP5 bis Q1 2026. Danach folgt das Pre-Deployment, wobei circa 100 kommerzielle Pilotzüge durch ganz Europa wichtige Erkenntnisse zu den Themen Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit sammeln sollen.

Das europaweite Deployment, also die Migration der DAK, soll ab 2028 erfolgen. In dem EU-weiten, bereits laufenden Innovationsprojekt (ERJU FP5) liegt der Fokus auf Entwicklungstests, allerdings nicht auf Langzeittests. Doch Langzeiterprobungen und -erfahrung, insbesondere im Zusammenhang mit Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit, Performance und Sicherheit, bilden maßgebend die entscheidende Grundlage für zukünftige Investitionsentscheidungen.

Um Langezeittests zu ermöglichen, werden für eine statistisch ausreichende Repräsentativität für den gesamten europäischen Güterverkehr rund 100 kommerzielle Pre-Deployment-Züge benötigt. Damit wollen die Güterbahnen circa zwei Jahre europaweit wichtige Erkenntnisse zu regional spezifischen und technischen Herausforderungen sowie zu unterschiedlichen betrieblichen Szenarien sammeln.

Die DAK wird eine Investition von ca. 13 Mrd. Euro (Preisbasis 2021) für die Ausrüstung von etwa 460.000 Güterwagen und 17.000 Lokomotiven in Europa erfordern. Mit ihrem starken positiven Effekt auf die sektorale Leistung der Verkehrsverlagerung und die Reduktion von externen Kosten, Treibhausgasemissionen und Energieverbraucht bringe die DAK langfristig einen großen gesellschaftlichen Vorteil (gerechnet auf 30 Jahre). Um dies gewährleisten zu können, sei aber für die Erstellung eines positiven Business-Case (gerechnet auf 10 Jahre) eine finanzielle Unterstützung durch die öffentliche Hand notwendig, betonte Mark Topal.

www.oebb.at

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