Schon 2025 war für den ÖBB-Güterverkehr ein angespanntes Jahr. Nur dank leichter Zuwächse im Ausland erzielte die ÖBB Rail Cargo Group (RCG) bei leicht gesunkenem Transportaufkommen ein kleines Umsatzplus.Doch man spüre auch die Krisenszenarien in der europäischen Industrie, berichtete ÖBB-CEO Andreas Matthä am Donnerstag im Klub der Wirtschaftspublizisten. Gemeinsam mit den Kostensteigerungen in den Bereichen Personal (Löhne), Energie und Trassenpreise werde sich das in einem negativen Jahresergebnis niederschlagen. Auch 2026 deuteten alle Anzeichen auf ein extrem forderndes Marktumfeld hin. Womöglich im Jahr darauf sei wieder mit einem positiven operativen Ergebnis zu rechnen.
Dafür soll das in Zusammenarbeit mit einem externen Berater entwickelte Restrukturierungsprogramm „Phönix“ sorgen. Darin enthalten sind Maßnahmen für einen effizienteren Einsatz der Lokomotiven und Güterwagen, begleitet von Anpassungen und Kürzungen im TransFER-Netzwerk. So geschehen auf den Türkei-Verbindungen, wo sich die RCG seit geraumer Zeit der starken Konkurrenzierung durch die Shortsea-Dienste eines internationalen Anbieters von und nach Triest ausgesetzt sieht. Als Reaktion darauf schaue man jetzt wieder stärker auf den Bedarf für Zugprodukte auf den Verbindungen in den und aus dem Hafenplatz in der nördlichen Adria, bemerkte Andreas Matthä.
Dabei könnte die RCG von dem Umstand profitieren, dass sich die süddeutsche Industrie als Reaktion auf die schlechte Netzqualität im Land phasenweise in Richtung der Südhäfen als Alternative zu Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmsjhaven, Antwerpen und Rotterdam orientiert. Hingegen sehe man sich auf den Verbindungen von und nach Kärnten mit einem Henne-Ei-Problem konfrontiert, so Andreas Matthä. Damit bezieht er sich auf das Güterterminal Villach Süd, das er wörtlich als „Superstandort mit Superflächen“ bezeichnet, das aber unter der zu geringen Industrieproduktion leide. Dadurch fehlten – trotz des in Europa einzigartigen Zollkorridors – auf der Achse Triest-Fürnitz die Transportmengen. Aktuell reichten ein bis zwei Reachstacker für das Handling der intermodalen Sendungen. Dafür brauche es noch keine Investition in einen neuen Portalkran für den Umschlag der Container und bahnfähigen Trailer.
Im Jahr 2026 stellt sich die RCG auf eine schwierige Phase ein, ausgelöst durch die Sanierung der Bahnmagistrale Passau-Regensburg-Nürnberg. Das sei eine Hauptschlagader für den ÖBB-Güterverkehr, erläuterte Andreas Matthä die Tragweite dieser Maßnahme, an der in der Gesamtbetrachtung kein Weg vorbeiführe. Für die betroffenen Güterbahnen bedeute das eine Verlagerung von Teilmengen von der Schiene auf die Straße. Der ÖBB-Güterverkehr weicht mit circa 80 Prozent des Aufkommens auf teilweise sehr lange Umleitungsstrecken aus. Damit verbunden sind Mehrkosten im zweistelligen Millionenbereich. Das bezahle einem kein Kunde, stellt der ÖBB-CEO fest. Als umso wichtiger erachtet er generell die Umsetzung von fortaufenden Initiativen zur Harmonisierung, Standardisierung und Digitalisierung des grenzüberschreitenden Schienengüterverkehrs in Europa.
