Sie sind ein zentraler Dreh- und Angelpunkt der Gesundheitsversorgung in Niederösterreich: Die beiden 2014 in Betrieb gegangenen Logistikzentren in St. Pölten und Wiener Neustadt versorgen 27 Kliniken und 50 Pflegezentren zwischen Enns und Leitha mit Arzneien, Medizinprodukten und Verbrauchsgütern.
Von St. Pölten aus werden die Kliniken Lilienfeld, Mauer, Melk, Scheibbs, St. Pölten, Waidhofen an der Ybbs, Amstetten, Klosterneuburg und Hollabrunn beliefert. Das Logistikzentrum Wiener Neustadt versorgt die Kliniken Wiener Neustadt, Baden, Mödling, Neunkirchen, Hainburg und Hochegg.
Jedes Logistikzentrum verfügt über ein Sortiment von rund 5.000 Lagerartikeln (medizinische und nicht medizinische Artikel sowie Pharmaprodukte). Der Lagerwert beläuft sich auf rund 2,5 Mio. EUR. Täglich verlassen jedes Logistikzentrum mehr als 200 Versorgungscontainer.
Die angeschlossenen Kliniken werden bis zu dreimal täglich durch eine Spedition beliefert. Über ein digitales Anforderungssystem ordern die Spitäler die benötigten Artikel aus dem Logistikzentrum. Die Bestellungen werden im SAP-System in Lieferungen umgewandelt und automatisch der passenden Route zugeordnet.
Vor der Kommissionierung prüft das Fachpersonal im Logistikzentrum die Lieferung. Im nächsten Schritt werden die Transporte und die benötigten Container angelegt sowie die Kommissionieraufträge erstellt. Danach wird alles in Boxen und Rollcontainer verpackt und ausgeliefert.
Im Hintergrund laufen zahlreiche IT-Prozesse ab. Diese reichen von Wareneingängen über Nachschub und Umlagerungen bis zu den Auslieferungen. In jedem Logistikzentrum befindet sich eine moderne Produktionsapotheke sowie ein Kommissionierhalbautomat, wo Arzneimittel stationsweise und geordnet einsortiert werden.
Seit Februar 2019 gilt die die Arzneimittelfälschungsrichtlinie. Sie soll sicherstellen, dass jedes einzelne Produkt auf Echtheit geprüft wird. Diese Tätigkeit wird im Logistikzentrum übernommen und durch einen digitalen Workflow im Hintergrund gesteuert.
Ein weiterer wichtiger Bereich der Logistikzentren ist die Aufbereitungseinheit für medizinische Produkte (AEMP). Hier werden die Instrumente und OP-Bestecke gereinigt, repariert, desinfiziert, verwaltet und zu fertigen Sets zusammengestellt, um anschließend wieder in die jeweiligen Kliniken gebracht zu werden. Diesem Prozess liegen definierte Tourenpläne und Arbeitsabläufe zugrunde, ebenso wie flächendeckende digitale Lösungen in der Warenannahme, der Einlagerung, Kommissionierung und Inventur.
Die Logistikzentren St. Pölten und Wiener Neustadt sind die europaweit einzigen, in denen zusätzlich zur Material- und Arzneimittelversorgung auch das Sterilgut gereinigt, aufbereitet und danach an die Kliniken geliefert wird. Seit Anfang 2024 sind auch die Pflege-, Betreuungs- und Förderzentren in die Versorgung eingebunden.
Wie lautet das Fazit nach mehr als zehn Jahren Logistikzentren? „Die Prozesse haben sich sehr gut eingespielt, und die Qualität in der Versorgungssicherheit ist enorm gestiegen“, erklärt Jacqueline Kreismayr, MBA MA, die für die Gesamtkoordination des gesamten Logistikbereiches in der NÖ Landesgesundheitsagentur zuständig ist.
„Ebenso erhöht hat sich der Servicegrad in Richtung versorgte Einrichtungen sowie die Effizienz, vor allem in allen lagerhaltenden Prozessen. Zusätzlich versuchen wir, die Transportwege zu reduzieren, was uns durch eine gebündelte Anlieferung der Lieferanten an die beiden zentralen Einheiten sowie eine gemeinsame Auslieferung gelingt“, sagt Jacqueline Kreismayr.