Holz fährt weniger auf die Schiene ab

Beim Transport des umweltfreundlichen, nachwachsenden Rohstoffs verliert die Bahn Marktanteile. Davon besonders betroffen ist die Biomasse.

Holz fährt weniger auf die Schiene ab Bild: AdobeStock

Nach Vorgaben der Politik sollte die Bahn in der Holzlogistik schon einen Transportanteil von 35 erreicht haben. Tatsächlich aber ist die Quote in jüngster Zeit auf 26 Prozent zurückgegangen. Bei der vom Österreichischen Biomasseverband veranstalteten Fachtagung „Biomasse: Aufbringung, Verarbeitung und Logistik“ haben Expertinnen und Experten das Thema von vielen Seiten beleuchtet.  

„Pro Jahr befördert die Rail Cargo Group (RCG) etwa 7 Mio. Tonnen Holz nach Österreich: 3,8 Mio. Tonnen Rundholz, knapp 2 Mio. Tonnen verarbeitete Holzprodukte wie Pellets oder Schnittholz und 1,2 Mio. Tonnen Hackschnitzel, mit denen vor allem die Papier- und Zellstoffindustrie beliefert wird“, berichtete André Fattome, der bei der RCG als Segmentmanager Wood tätig ist.

Für Hackgut gibt es oben offene Container, die direkt am Gleis per Bagger oder Förderband beladen werden. Ein Zug aus 24 Waggons mit je drei Containern kann 1.500 bis 1.800 Tonnen Hackgut befördern. „Jährlich werden so etwa 35.000 Lkw eingespart. Wir haben sechsmal weniger Emissionen als der Lkw-Verkehr“, verkündete André Fattome. 

Direkt beim Holzkunden befänden sich in Österreich 45 Anschlussbahnen. Deren Anbindung an die Straße stelle eine große Herausforderung für die Bahn dar, machte der Manager aufmerksam.

Für Werke und Endkunden ohne Bahnanschluss hat die Rail Cargo Group den „Mobiler“ entwickelt. Eine hydraulische Hubeinrichtung am Mobiler-Fahrzeug ermöglicht einen raschen und unkomplizierten Umschlag von Containern sowie Wechselbrücken zwischen Lkw und Waggon ohne Kranarbeiten.

„Mit dem Schüttgutbehälter können wir Schiene und Straße miteinander verknüpfen. Ein normaler Lkw kann von oben oder hinten beladen und am Bahnhof umgeschlagen werden. Wir verbinden Straße und Schiene, wo es Sinn macht. Die Schiene kann mehr als ihr zugetraut wird“, fasste Fattome zusammen, der sich auch stark für Kooperationen aussprach.

„Wir brauchen die Zusammenarbeit mit Schiff und Schiene“, stimmte Maximilian Gruber, Geschäftsführer Gruber Transporte zu und betonte: „Biomasse ist mehr als ein Trend.“

Mit der Entstehung größerer Heizwerke im Salzburger Lungau sind Gruber Transporte aus Unternberg im Bezirk Tamsweg in den 1990er-Jahren in den Biomassetransport eingestiegen. Gehackt wird meist im Wald, wo das Hackgut liegen bleibt und später von einem Schalengreifer aufgenommen und beim Heizwerk abgekippt wird. 

Maximilian Gruber brachte dem Publikum die Herausforderungen in der Praxis näher, die viel Improvisation erforderlich machten. Diese bestünden aus wachsenden Importen und Exporten auch innerhalb der Bundesländer, starken saisonalen Schwankungen, einer temporären Knappheit an Lkw sowie dem generellen Fahrermangel.

Hohe Kostensteigerungen würden den Transportunternehmen zusetzen, beklagte der Geschäftsführer. So seien die Lohnkosten in den letzten vier Jahren um 30 Prozent gestiegen. Pro Atrotonne bezifferte Gruber die Hackkosten auf 35 EUR und den Transport im Wald bei einer Distanz von 10 Kilometer auf 40 EUR bzw. 50 EUR bis 25 Kilometer.

„Sobald wir ein Zwischenlager haben, steigen die Kosten enorm“, rechnete Maximilian Gruber vor: „Aber ohne Zwischenlager geht es nicht mehr. Das Heizwerk bestimmt genau, in welchen Monaten es welche Mengen benötigt, das passt mit dem Anfall nicht zusammen.“

Der Geschäftsführer bestätigte, dass man auf einem hohen Digitalisierungsniveau angekommen sei. Standorte würden per Handy oder Tablet im Lkw erfasst und auch der Weg zum Lagerort und von dort zum Heizwerk dokumentiert. Maximilian Gruber prangerte jedoch den zunehmenden enormen Aufwand an Bürokratie an, dies sei unverhältnismäßig, „denn wir transportieren ein umweltfreundliches und regionales Produkt.“

www.biomasseverband.at

www.railcargo.com

https://gruber-trans.at