Der Zentralverband Spedition & Logistik (ZV) warnt vor den massiven negativen Folgen des bestehenden und geplanten Bahnzwangs für Abfalltransporte. Bereits heute muss ab einer Transportdistanz von 200 Kilometern Abfall zwingend auf der Schiene befördert werden. Ab 1. Jänner 2026 soll diese Grenze auf 100 Kilometer reduziert werden.
ZV-Präsident Alexander Friesz bezeichnet diese Regelung als „ökologisch wirkungslos, wirtschaftlich schädlich und rechtlich bedenklich“. Selbst das Umweltministerium bestätige in seinem Evaluierungsbericht, dass durch den Bahnzwang keinerlei messbare CO₂-Einsparungen erzielt würden – das theoretische Potenzial liege im Promillebereich.
Die Vorgaben treffen vor allem Recycling- und Entsorgungsunternehmen hart. Viele Transportstrecken seien logistisch ungeeignet für die Schiene, oft teurer und mit erheblichen Verzögerungen verbunden. Als Folge würden Sekundärrohstoffe wie Altmetall, Altholz oder Altpapier zunehmend ins Ausland exportiert – kontraproduktiv für die österreichische Kreislaufwirtschaft.
Zudem verursache die einseitige Bevorzugung eines Verkehrsträgers Marktverzerungen und beeinträchtige den freien Wettbewerb. Die verpflichtende Abfrage über die Plattform aufschiene.gv.at verursache zudem einen jährlichen Verwaltungsaufwand von rund 3,5 Mio. EUR – ohne erkennbaren Nutzen.
Der ZV fordert deshalb von der Bundesregierung: den Stopp des Ausbaus des Bahnzwangs ab 2026, die Aufhebung des bestehenden Abfalltransporte-Bahnzwangs und gezielte Investitionen in intermodale Infrastruktur. Das mache freiwillige, marktkonforme Bahntransporte für Abfälle möglich.
„Eine ökologische Verkehrspolitik muss auf Anreize statt auf Zwang setzen. Wer Recycling und Klimaschutz ernst meint, darf die Kreislaufwirtschaft nicht durch praxisferne Vorschriften konterkarieren“, meint Alexander Friesz.
