Das größte Infrastrukturprojekt Kroatiens, der Neubau der Bahnstrecke zwischen Zagreb und Rijeka, hat eine wichtige behördliche Hürde genommen: Vor kurzem erteilte das Umweltministerium „Grünes Licht“ zur Errichtung des 72 Kilometer langen Abschnitts Skradnik – Krasica – Tijani.
Mit dieser Genehmigung sind nun die Voraussetzungen für die Umsetzung des wirtschaftlich bedeutsamsten Eisenbahnprojekts in Kroatien geschaffen, das in mehreren Phasen realisiert werden soll. Das Vorhaben wird maßgeblich aus dem EU-Kohäsionsfonds mitfinanziert.
Die 165 Kilometer lange Neubaustrecke Zagreb–Rijeka wird die kroatische Metropole mit der Hafenstadt an der Adria verbinden. Sie verläuft südlicher als die Bestandsstrecke, ist 56 Kilometer kürzer als diese und erspart 360 Höhenmeter, was für den Güterverkehr bedeutsam ist.
Bereits im Bau befindet sich der 44 Kilometer lange Abschnitt zwischen Hrvatski Leskovac und Karlovac, für den die Bauarbeiten im Oktober 2022 begonnen haben. Dieser mit rund 228 Mio. EUR veranschlagte Teilabschnitt soll bis Ende 2025 fertiggestellt werden.
Die Fertigstellung der gesamten Flachlandstrecke ist voraussichtlich bis spätestens 2035 geplant und gilt als entscheidend für die volle Kapazitätsauslastung des Hafens Rijeka. Schätzungen zufolge könnte der Umschlagplatz an der oberen Adria bis 2040 einen wirtschaftlichen Effekt von etwa 2,5 Mrd. EUR erzielen. Bei einer früheren Fertigstellung der Bahnstrecke bereits im Jahr 2032 könnte dieser Wert sogar auf 3,3 Mrd. EUR steigen und rund 8.600 neue Arbeitsplätze schaffen.
Mit diesem Schienen-Großprojekt erhält Kroatien eine moderne zweigleisige Strecke für gemischten Verkehr mit einer Auslegung für Geschwindigkeiten bis zu 160 km/h. Das Bauvorhaben umfasst fünf neue Bahnhöfe, einen Haltepunkt, 17 Viadukte mit einer Gesamtlänge von 10 Kilometern sowie 14 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 57 Kilometern. Als dominanteste Bauwerke der Strecke sind die Tunnel Kapela 1 (10 Kilometer) und Kapela 2 (15 Kilometer) hervorzuheben, die die Gebirgsmassive Velika Kapela und Mala Kapela durchstoßen.
Nach 7 bis 10 Jahren Errichtungszeit könnte die Neubaustrecke Zagreb-Rijeka zwischen 2032 und 2035 verwirklicht sein. Eine aktuelle Schätzung über das erforderliche Investitionsvolumen gibt es nicht. 2012 waren die Gesamtkosten für den Ausbau der Strecke von Zagreb zur ungarischen Grenze sowie den Neubau der Schnellfahrstrecke nach Rijeka mit insgesamt 4,6 Mrd. EUR berechnet worden.
