Die Donau zählt zu den wichtigsten Verkehrs- und Versorgungsachsen Europas und ist insbesondere für die Wirtschaften jener Staaten, die vom Strom durchflossen werden, von zentraler Bedeutung. Zahlreiche österreichische Unternehmen in der Region verfolgen daher aufmerksam, wie sich Hitze und niedrige Wasserstände auf ihre Märkte auswirken.
Eine Blitzumfrage der Außenwirtschaft Austria unter den AußenwirtschaftsCentern in Ungarn, Serbien, Rumänien und Bulgarien zeigt: Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Markt deutlich. Während in Ungarn vor allem die Energieversorgung im Mittelpunkt steht und Serbien den Schiffsverkehr eingeschränkt hat, werden für Rumänien und Bulgarien indirekte Folgen erwartet.
Für Österreichs Wirtschaft ist die Entwicklung in der Region besonders relevant: In Ungarn sind rund 1.400 österreichische Niederlassungen aktiv, in Serbien etwa 870, in Rumänien mehr als 700 und in Bulgarien knapp 350. Viele davon sind in den Bereichen Dienstleistungen, Industrie, Baustoffe sowie Logistik und Transport tätig.
Die AußenwirtschaftsCenter der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) stehen in engem Austausch mit den österreichischen Unternehmen vor Ort und beobachten die Entwicklung laufend. Wie unterschiedlich sich die Situation zu Wochenmitte darstellte, zeigen die Rückmeldungen aus den einzelnen Märkten:
In Ungarn ist die Lage derzeit auf dem Energiesektor am angespanntesten, im Transportbereich sind die Folgen bislang geringer. Um die Stromversorgung in den Abendstunden zu stabilisieren, wurde der Schienengüterverkehr zwischen 17 und 22 Uhr vorübergehend eingeschränkt. Darüber hinaus werden Elektrobusse verstärkt nachts geladen, zudem bleibt die Beleuchtung zahlreicher staatlicher Gebäude und Brücken zeitweise abgeschaltet.
Sollten die freiwilligen Einsparungen jedoch nicht ausreichen, könnte die Regierung auch verpflichtende Lastreduktionen für Großverbraucher anordnen. Konkrete Auswirkungen auf österreichische Unternehmen liegen bisher nicht vor.
„Derzeit gehen wir von einer vorübergehenden, zeitlich begrenzten Herausforderung aus, wobei die weitere Entwicklung stark von den Wetterbedingungen und dem Wasserstand der Donau abhängt. Sollte die Situation länger anhalten, könnten sich Auswirkungen auf energieintensive Branchen ergeben“, erklärt die stellvertretende WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Budapest, Claudia Angermayr.
In Serbien machen sich die niedrigen Wasserstände vor allem im Transport bemerkbar. Die Schifffahrt ist aufgrund des geringeren Tiefgangs eingeschränkt, Schiffe können weniger Ladung transportieren. Das führt zu zusätzlichen Fahrten, längeren Lieferzeiten und höheren Kosten.
Bislang gibt es keine Hinweise auf Produktionsstillstände oder größere Produktionsanpassungen österreichischer Unternehmen. „Heimische Betriebe spüren längere Lieferzeiten, höhere Transport- und Energiekosten sowie eine geringere Planungssicherheit“, betont Jürgen Schreder, WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Belgrad.
Besonders stark wirken sich die Beeinträchtigungen auf Logistik, Energie, Bauwirtschaft, Metall- und Maschinenbau aus. Unter den Störungen leiden naturgemäß jene Unternehmen, die schwere Güter oder Rohstoffe über die Donau transportieren. Nach Einschätzung von Expert:innen könnte die angespannte Lage bis September anhalten.
In Rumänien ist die Lage derzeit weniger kritisch. Ein Block des an der Donau gelegenen Atomkraftwerks wurde zwar außer Betrieb genommen, der zweite Reaktor ist jedoch weiterhin in Betrieb. Zudem wurde die Stilllegung von Kohlekraftwerken verschoben und der Ausbau der Photovoltaik weiter vorangetrieben.
„Die heimischen Betriebe, die vor Ort aktiv sind, sorgen sich vor allem um die möglichen indirekten Folgen der Krise“, erklärt Christoph Grabmayr,WKÖ-Wirtschaftsdelegierter in Bukarest. Eine schwächere Ernte könnte die bereits hohe Inflation weiter anheizen und damit die gesamte Wirtschaft belasten.
Auch in Bulgarien bleibt das Kernkraftwerk Kozloduy uneingeschränkt in Betrieb. Gleichzeitig profitiert das Land vom starken Ausbau der Photovoltaik und von Batteriespeichern, wodurch die Stromversorgung derzeit als stabil gilt.
„Die negativen Auswirkungen des niedrigen Wasserstands auf die Wirtschaft halten sich in Grenzen. Die Energiepreise sind weiterhin niedrig, und der Transport auf der Donau spielt für österreichische Unternehmen eine deutlich geringere Rolle als Straße und Schiene“, sagt der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in Sofia Philippe Kupfer.
Als längerfristige Herausforderung werden in Bulgarien hingegen Dürre, Wasserknappheit und die steigende Waldbrandgefahr gesehen. Betroffen davon sind insbesondere Landwirtschaft, Lebensmittelproduktion und Holzwirtschaft.
Gemeinsam mit ihren AußenwirtschaftsCentern beobachtet die Außenwirtschaft Austria der WKÖ die Entwicklung in den Donaumärkten laufend. Sie versorgt österreichischen Unternehmen vor Ort mit aktuellen Informationen und Einschätzungen.