Flüsse, Kanäle und Häfen brauchen viel Geld und Personal

Deutschlands Infrastruktur an den Binnenwasserstraßen hat einen massiven Investitionsschub nötig.

Flüsse, Kanäle und Häfen brauchen viel Geld und Personal Bild: verdi / Von links: Die Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums (DFV), Dr. Heike van Hoorn, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (DBD), Jens Schwanen, und die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle

Die Infrastruktur an Deutschlands Wasserstraßen und Häfen leidet unter Altersschwäche und einem über viele Jahre angehäuften, unbehobenen Investitionsstau. Alarm schlagen deshalb die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) sowie die Initiative System Wasserstraße (ISW) – ein Zusammenschluss von 22 Branchen- und Wirtschaftsverbänden.

In einem gemeinsamen Appell fordern die Interessenvertreter die deutsche Bundesregierung zu massiven Investitionen an den nationalen Wasserstraßen und Häfen auf. Denn leistungsfähige und zuverlässig schiffbare Bundeswasserstraßen samt Häfen seien „eine zentrale Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit“, erklären die Gewerkschaft und die am System Wasserstraße beteiligten Akteure.

„Die Situation ist dramatisch. In den nächsten zehn Jahren benötigen allein die Seehäfen zur Aufrüstung ihrer Anlagen 15 Mrd. EUR, die Binnenhäfen 3 Mrd. EUR“, rechnet die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle vor.

Zugleich führten aktuelle Stellenkürzungsvorgaben (minus acht Prozent) für die zentrale Behörde, die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV), zu enormem Druck auf die Mitarbeitenden. Das gefährde die sicherheitsrelevanten Bereiche der Wasserstraßeninfrastruktur.

„Dabei fährt ohne die WSV-Beschäftigten kein Schiff über die Wasserstraßen, wird keine Schleuse in Schuss gehalten und keines der Wehre saniert, die dem Hochwasserschutz, also dem Schutz der Bevölkerung dienen. Der Stellenabbau gehört daher komplett gestoppt“, fordert Christine Behle.

Auch Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), lässt mit einer Zahl aufhorchen, die die Dringlichkeit unterstreicht: „An den Wasserstraßen und Kanälen fehlen 900 Mio. EUR, um die Anlagen in Schuss zu bringen.“ So seien z.B. die Schleusen am Neckar mehr als 80 Jahre alt.

„Industriestandorte sind nicht zufällig an Kanälen und Flüssen wie etwa dem Rhein angesiedelt, denn mit dem Schiff lassen sich große Gütermengen gleichermaßen sicher, kostengünstig und umweltschonend transportieren“, sagt Jens Schwanen. Kunden aus der Chemie-, Stahl- und Mineralölindustrie, den Agrarrohstoffen oder dem Baustoffsektor wüssten um die Leistungsfähigkeit der Schifffahrt.

„Die Branche wird jedoch massiv ausgebremst, wenn Schleusen und Hebewerke altersbedingt ausfallen und Sperrungen ganzer Wasserstraßen die Logistikprozesse durcheinanderbringen. Dabei sind Planbarkeit und Verlässlichkeit die entscheidenden Faktoren bei der Wahl der Verkehrsträger“, unterstreicht der BDB-Geschäftsführer.

Heike van Hoorn, Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums (DVF), weist ebenfalls auf die Bedeutung einer funktionierenden Infrastruktur an Flüssen und Häfen hin: „Die gute Wasserstraßenanbindung wird von den Unternehmen bisher noch als Pluspunkt für den Standort Deutschland gewertet. Darum muss der Sanierungsbedarf bei den Wasserstraßen, der Infrastruktur der See- und Binnenhäfen jetzt konsequent abgearbeitet werden.“

www.verdi.de

www.binnenschiff.de

www.verkehrsforum.de

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