In Österreich entwickelt sich der Schienengüterverkehr derzeit nicht so, wie er sollte. Darauf machte Maria-Theresia Röhsler, Geschäftsführerin der Schienen-Control gestern bei einem Pressegespräch in Wien aufmerksam. Als Gründe nannte sie die konjunkturelle Lage aber auch internationale Baustellen sowie Probleme bei der Beschaffung von Personal und Rollmaterial.
Als problematisch beurteilt sie auch die Entwicklung im Einzelwagenverkehr. Trotz Förderung nehme die Tragfähigkeit dieses Systems weiter ab. Das sei schlecht für regionale Wirtschaftsstandorte, wo bereits ein kontinuierlicher Rückgang an Anschlussbahnen Platz greife, so Maria-Theresia Röhsler.
Generell benötige der Schienengüterverkehr in Österreich dringend mehr zeitlich flexible und verlässliche Trassen, weil die Volatilität der Kundenbedarfe steige, appelliert die Schienen-Control. Fast ein Drittel der gesamten Güterverkehrsleistung wurde 2024 über kurzfristig bestellte Ad-hoc-Trassen erbracht, bei den privaten EVUs sogar über 40 Prozent. Auch eine Verbesserung der Pünktlichkeit und eine europaweite Baustellenkoordination hält man für nötig.
Die Marktdaten der Schienen-Control zeigen, dass der Güterverkehrsmarkt in Österreich im Jahr 2024 sowohl bei den gefahrenen Netto- als auch Bruttotonnenkilometern Zuwächse im niedrigen einstelligen Prozentbereich verzeichnet hat. Nach einem deutlichen Rückgang im Jahr 2023 verzeichneten die beförderten Nettotonnen wieder einen leichten Anstieg von 110,8 Mio. Tonnen auf 113,3 Mio. Tonnen. Auf der Brennerachse entfällt bereits jeder dritte Zug auf das Segment Cargo.
Nummer eins im Güterverkehr blieb 2024 die Rail Cargo Austria mit einem Anteil von 57,3 Prozent an den Nettotonnenkilometern – ein Rückgang um 0,3 Prozentpunkte. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die privaten Bahnunternehmen ecco-rail (5,56%) und Lokomotion (4,19%). Auf den Haupttransitrouten (Westachse, Benner) dominieren die privaten EVUs bereits mit Maktanteilen von um die 60 Prozent.
