In Deutschland fehlen 120.000 Lkw-Fahrer

Der Fachkräftemangel ist kein kurzfristiger Engpass, sondern eine Dauerbaustelle. In Zukunft drohen mehr Lieferausfälle.

In Deutschland fehlen 120.000 Lkw-Fahrer Bild: pixabay

Deutschlands Logistiker schlagen Alarm: „Es fehlen momentan 120.000 Lkw-Fahrer plus X“, rechnet Dirk Engelhardt, Vorstandssprecher des Bundesverbandes Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL), im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters vor.

Diese Lücke werde sich absehbar weiter vergrößern. Denn jedes Jahr gingen in Deutschland etwa 30.000 bis 35.000 Fahrer in den Ruhestand und nur 15.000 bis 20.000 Nachfolger stünden dem gegenüber, so Dirk Engelhardt.

Die Folgen sind bereits erkennbar. Viele Transportunternehmen legen Lkw still oder stornieren Bestellungen, weil das Personal fehlt. Andere beteiligen sich gar nicht mehr an Ausschreibungen, da die durch den Fahrermangel überdurchschnittlich gestiegenen Personalkosten oft nicht mehr über die Frachtraten gedeckt werden können.

Der Fahrer-Engpass wird bereits in Supermärkten sichtbar. „Die Leerstellen in den Regalen entstehen nicht nur durch Preisstreitigkeiten zwischen Handel und Herstellern“, stellt der BGL-Vorstand klar.

Rund 80 Prozent aller Waren in Deutschland werden laut Logistik-Verband auf der Straße transportiert. Anders gesagt: Wenn Lkw fehlen, gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten über Schiene oder Wasserwege, und die Folgen sind sofort in der Lieferkette spürbar.

Güterzüge können die Lücke nur begrenzt schließen. Sie brauchen feste Gleise, lange Vorlaufzeiten, und die Bahn hat derzeit kaum noch freie Kapazitäten. Start- und Zielpunkte fast jeder Lieferung liegen zudem weiterhin auf der Straße. „Was passiert, wenn Lieferketten reißen, hat man während der Corona-Pandemie gesehen – Stichwort: Klopapier“, sagt Dirk Engelhardt.

Hoffnungen auf fahrerlose Lkw dämpft der Branchenverband deutlich. Autonome Systeme, bei dem sich Lkw mittels Sensoren, Kameras sowie Künstlicher Intelligenz (KI) ohne Mensch am Steuer bewegen, könnten zwar unterstützen, den Fahrer aber nicht ersetzen.

Lkw-Fahrer sind nämlich nicht nur Lenker, sondern auch Begleiter, Bewacher und rechtlich Verantwortliche für ihre Ladung. Zudem bleibt die Technik fehleranfällig. Für die Branche ist daher klar: Auf absehbare Zeit wird es nicht ohne Menschen im Führerhaus gehen.

www.bgl-ev.de

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