Mit seinem Lagebericht Güterverkehr liefert der Verein Netzwerk Logistik (VNL) seit Jahresbeginn quartalsweise einen kompakten Überblick über die Entwicklung dieses Wirtschaftszweigs in Österreich. Für diesen Lagebericht werden regelmäßig eine Reihe von Branchenexperten zur Entwicklung des Güterverkehrs in den folgenden Monaten vom VNL befragt.
„Der Güterverkehr steht vor einem Vierfach-Stresstest: Auf der Straße bleibt die Kostenwahrheit trotz teilweiser Maut-Valorisierung ungelöst, auf der Schiene bremsen die Sanierungsarbeiten in Deutschland den Transit über die Seehäfen – und im Luft- und Seefrachtverkehr verteuern US-Zölle und knappe Kapazitäten die Transporte nach Nordamerika“, erklärt Franz Staberhofer, VNL-Obmann und ASCII Vizepräsident.
In einem Ausblick auf das 4. Quartal 2025 hält der VNL fest: In Österreich besteht die Lkw-Maut aus Infrastruktur- und Umweltkosten und soll die wahren Belastungen des Straßengüterverkehrs widerspiegeln. Alljährlich führt das zu einer Diskussion über deren „Gerechtigkeit“.
Die Generalsanierung der Deutschen Bahn wirkt sich auch auf Österreichs Wirtschaft aus und beeinflusst den grenzüberschreitenden Containerverkehr zwischen Österreich, Deutschland und den Benelux-Staaten. Schätzungen zufolge laufen rund 70 bis 75 Prozent des Containerverkehrs von und nach Österreich über deutsche und Benelux-Häfen, wodurch Verzögerungen der DB-Infrastruktur direkte Folgen für österreichische Unternehmen haben.
Die laufenden Bauarbeiten führen zu Engpässen bei Trassen und zu unvermeidbaren Umleitungen, wodurch sich Transportzeiten spürbar verlängern. Ein besonders gravierender Faktor sind die für 2026 geplanten Sperren der Strecken Passau–Obertraubling und Regensburg–Nürnberg, die den Transit erheblich erschweren werden. Unternehmen werden daher geraten, frühzeitig Alternativen in ihre Transportplanung einzubeziehen, um Lieferkettenstabilität zu sichern.
Parallel dazu wächst der Welthandel, obwohl der US-Protektionismus zunimmt; globale Handelsströme drehen sich weiterhin, entwickeln sich jedoch langsamer. Zwischen Europa und Nordamerika nimmt der Handel trotz Wachstumsdynamik um rund drei Prozent zu, bleibt aber durch politische und wirtschaftliche Unsicherheiten belastet.
Neue US-Zölle in der Größenordnung von 15 bis 50 Prozent belasten insbesondere Industrieexporte wie Stahl, was die Kostenstrukturen in internationalen Lieferketten erhöht. Zusätzlich verschärfen ausgedünnte Flugpläne im Winter die Belly-Kapazitäten, also die Luftfrachtkapazitäten im Frachtraum, was zu Versorgungsknappheiten führt.
Franz Staberhofer ist einer der renommiertesten Experten im Bereich Supply Chain Management im deutschsprachigen Raum. Er ist Vizepräsident des Austrian Supply Chain Intelligence Institute Austria (ASCII) und VNL-Obmann. Außerdem leitet Franz Staberhofer mit dem Logistikum an der Fachhochschule Oberösterreich das österreichische Kompetenzzentrum für Logistik und Supply Chain. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen unter anderem Supply Chain Management, Logistikstrategie und Netzwerkmanagement.
