Firmen reagieren rasch auf steigende Zölle

Zur Abfederung der Risiken werden Märkte diversifiziert und Lieferketten neu ausgerichtet.

Firmen reagieren rasch auf steigende Zölle Bild: Gudrun Meierschitz, VorstŠndin ACREDIA Versicherung AG

„Zölle bleiben ein permanenter Unsicherheitsfaktor für Unternehmen weltweit“, sagt Gudrun Meierschitz, Vorständin von Acredia Versicherung AG. „Unsere Analysen zeigen jedoch auch: Viele Firmen reagieren bemerkenswert schnell. Sie diversifizieren ihre Märkte und richten ihre Lieferketten neu aus, um die Folgen abzufedern.“

Besonders sichtbar wird diese Entwicklung in den USA: Importe aus China machten im Juli 2025 nur noch 9 Prozent der Gesamteinfuhren aus – nach 14 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig stieg der Anteil von Lieferungen aus Südostasien, Indien und Taiwan von 17 Prozent auf 24 Prozent. Diese Umsteuerung drückte den effektiven Zollsatz nach unten. Ohne Diversifizierung wäre er auf etwa 17 Prozent gestiegen.

Der Spielraum für weitere Verlagerungen ist allerdings begrenzt. Zusätzliche Produktions- und Lieferkettenanpassungen würden erhebliche Investitionen erfordern. Gleichzeitig stehen weitere Produkte auf der US-Untersuchungsliste. Sollten neue Zölle beschlossen werden, dürfte der durchschnittliche US-Zollsatz nochmals steigen, mit spürbaren Mehrbelastungen für die Unternehmen.

Auch für europäische Exporteure bleibt die Lage angespannt. Der effektive US-Zollsatz auf EU-Importe stieg zuletzt auf 13 Prozent (nach 10 Prozent im Juni und nur 1 Prozent im Jahr 2024). Er könnte jedoch auf rund 12 Prozent sinken, sofern die Zölle auf EU-Autos von 27,5 Prozent auf 15 Prozent reduziert werden. Bedingung ist die Zustimmung des Europäischen Parlaments sowie die gleichzeitige Abschaffung europäischer Zölle auf US-Industriegüter und Agrarprodukte.

Nach der aktuellen Branchenrisikoanalyse von Allianz Trade haben sich die Risiken im Automobilsektor weltweit verschärft. Allein die deutschen Autoexporte in die USA gingen im ersten Halbjahr 2025 um 7 Prozent zurück. Selbst wenn die US-Zölle auf europäische Autos von 27,5 Prozent auf 15 Prozent gesenkt werden, liegen sie damit noch immer weit über dem früheren Satz von 2,5 Prozent.

www.acredia.at

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