Die europäische Automobilbranche steckt in der Krise und mit ihr das Rückgrat der Industrie: die Zulieferer. Das zeigt die aktuelle „Automobilzuliefer-Studie“ von Strategy&, der globalen Strategieberatung von PwC. Demnach blieb der Umsatz der zehn größten Automobilhersteller der Welt 2024 mit rund 1,8 Bio. Euro gegenüber dem Vorjahr nahezu unverändert. Unter Berücksichtigung der Inflation und gestiegener Produktionskosten ergibt sich ein Rückgang um 0,6 Prozent.
Insbesondere europäische Zulieferer spüren die Absatzschwäche ihrer Kernkunden deutlich: Seit 2019 haben die zwei größten europäischen Automobilhersteller bis zu 30 Prozent ihres Produktionsvolumens eingebüßt. Das entspricht in Summe etwa 4,3 Mio. Fahrzeugen – und damit einem erheblichen Verlust an potenziellen Zulieferumsätzen. Immerhin konnten die 100 größten Zulieferer ihren Umsatz trotzdem noch um 1,2 Prozent steigern – von 1,14 Bio. Euro im Jahr 2023 auf 1,15 Bio. Euro im Jahr 2024.
Der Weltmarktanteil deutscher Zulieferer reduzierte sich auf 23 Prozent und erreichte damit nur noch das Niveau von 2005. Chinesische Zulieferer dagegen konnten ihren Anteil im gleichen Zeitraum aus dem Stand auf 12 Prozent steigern. Das bedeutet: Der Markt wird nicht signifikant größer, aber immer mehr Zulieferer wollen daran teilhaben, vor allem aus China.
Zulieferer aus China sind der Studie zufolge nicht nur schneller, sondern auch strategisch besser aufgestellt. Sie nutzen ihren großen Heimatmarkt als Sprungbrett in den globalen Wettbewerb und investieren gezielt in Zukunftstechnologien wie Batterien, Software und Fahrzeugelektronik. Inzwischen zählen acht chinesische Zulieferer zu den Top-100 weltweit, ein deutliches Zeichen für den Einfluss dortiger Wettbewerber.
Europäische Zulieferer geraten dagegen zunehmend ins Hintertreffen: Neben rückläufigen Absatzmengen und steigendem Wettbewerb kommt der Druck hinzu, Innovationen rasch zur Marktreife zu bringen. Denn in Schlüsseltechnologien wie Batterie und Software haben chinesische Hersteller laut Studie teils einen Preis- und Technologievorsprung von bis zu 50 Prozent gegenüber westlichen Wettbewerbern.
Besonders mittelständische Anbieter leiden unter ihrer engen Spezialisierung, die in der Ära der Elektromobilität oft an Relevanz verliert. Zusätzlich verschärfen sich die Finanzierungsbedingungen, ausgerechnet in einer Phase, in der hohe Investitionen in neue Technologien nötig wären. Das Ergebnis: Der Nachholbedarf im Vergleich zur asiatischen Konkurrenz wächst – technologisch, strukturell und finanziell.
Der Weg zurück an die Spitze erfordert laut Studie eine klare strategische Neuausrichtung der europäischen Automobilindustrie. Zulieferer müssen gezielt auf technologische Zukunftsfelder setzen, statt Bestehendes zu verbessern. Dass die Branche nach wie vor über die nötigen Kompetenzen verfügt, zeigt sich bei der Analyse der Patentanmeldungen im Jahr 2024: So liegen vor allem deutsche Zulieferer mit einem Anteil von 32 Prozent an der Gesamtanzahl der Patentfamilien mit erster Veröffentlichung weltweit auf Platz eins.
