ORF und Schachinger: “United by Logistics”

300 Lkw-Ladungen für den Eurovision Song Contest 2026 in Wien erfordern ein getaktetes JIT-Lieferservice in Perfektion.

ORF und Schachinger: “United by Logistics” Bild: ORF- ZIB 1

Vom 12. bis zum 16. Mai 2026 findet in der Wiener Stadthalle der 70. Eurovision Song Contest (ESC) statt. Dieser Musik-Wettbewerb, den jedes Jahr mehr als 180 Millionen TV-Zuschauer verfolgen, ist mit einem massiven logistischen Aufwand verbunden. Zu diesem Thema hat sich die Österreichische Verkehrszeitung beim Veranstalter ORF und seinem offiziellen Logistikpartner Schachinger mit einigen Fragen erkundigt.

Etwa 3.500 Tonnen Equipment werden für den ESC zur Wiener Stadthalle geliefert. Worum handelt es sich dabei?

Der Dimensionen der größten Musikshow der Welt sind gigantisch. Den größten Anteil des Equipments machen der Bühnenaufbau – mehr als 2.000 m² Bühnenkonstruktion mit einem Gewicht von rund 210 Tonnen – sowie die Lichttechnik und das Rigging (Traversen, Mikrofone und Lautsprecher) aus.

Dazu kommt die gesamte Broadcast-Technik – von zwei großen Übertragungswagen und 28 Studiokameras bis hin zu Regie und Netzwerkinfrastruktur. Der ESC zählt zu den technisch komplexesten Live-Shows der Welt. Das spiegelt sich im Materialaufwand unmittelbar wider.

Am 30. März wurde die Stadthalle an das Team des ESC übergeben. Seither laufen die Anlieferungen. Das Mobiliar für die Aufenthaltsräume sowie das Catering-Equipment werden ab Mitte April geliefert. Die Bühne selbst muss am 24. April fertig aufgebaut sein.

Woher kommen die Ausstattungen?

Das Equipment stammt aus ganz Europa: Die Lichttechnik wird aus England geliefert, die Bühnenstruktur aus den Niederlanden oder das Rigging aus Deutschland. Der ESC ist ein globales Gemeinschaftsprojekt – und das gilt auch für seine Logistik. Die teilnehmenden Delegationen bringen darüber hinaus Teile ihrer eigenen Technik mit und organisieren deren Transport eigenständig.

Wie erfolgt die Anlieferung?

Der Großteil wird mit dem Lkw angeliefert. Dabei reicht die Bandbreite der Lieferungsarten vom Einzelpaketversand bis zum 24-Tonnen-Laster. Spezialtransporte mit besonders empfindlichem Equipment werden auch per Luftfracht abgewickelt.

Inwieweit sind spezielle Lieferzeit-Fenster zu beachten?

Der Ablauf ist präzise getaktet und lässt keinen Spielraum für Improvisation. Jedes Gewerk muss sich mit Anlieferdatum und -zeit vorab anmelden und einen Tag vorher das amtliche Kennzeichen und die Fahrerdaten übermitteln.

Die Lkw werden zunächst in einer Holding-Zone an der Felberstraße beim ÖBB-Gelände gesammelt und dort vollständig gescannt. Ist ein Slot frei, wird der Fahrer per Funk zur Stadthalle gerufen. Pro Lkw steht ein Zeitfenster von einer Stunde zur Verfügung.

Für den Bühnenaufbau sind rund 150 Fahrzeuge im Einsatz. Im Rahmen der gesamten ESC-Organisation sind es mit etwa 300 doppelt so viele. Bei der Abwicklung greift der Logistiker Schachinger auch auf seinen Standort in Siebenhirten im 23. Wiener Gemeindebezirk zurück.

Da es sich um ein nachhaltiges Großereignis handelt: Inwieweit hat dazu die Logistik im Vorfeld ihren Beitrag zu leisten?

Der offizielle Logistikpartner Schachinger wurde in einem Ausschreibungsverfahren ausgewählt, bei dem Nachhaltigkeitskriterien ausdrücklich Teil der Bewertung waren. Sein Team, bestehend aus 15 Mitarbeitenden, organisiert die gesamte Fahrplanung und Lieferlogistik mit dem Ziel, Stausituationen und damit Emissionen zu vermeiden.

Dem ORF ist allerdings auch klar, dass eine Großveranstaltung dieser Dimension einen ökologischen Fußabdruck hinterlässt. Deshalb hat er sich zum Ziel gesetzt, den CO₂-Fußabdruck insgesamt so gering wie möglich zu halten. Nicht vermeidbare Emissionen werden kompensiert.

Dabei arbeitet der ORF mit dem Wiener Climate-Tech-Start-up Econetix zusammen, das die gesamte CO₂-Bilanzierung des Eurovision Song Contest 2026 übernimmt. Econetix stellt CO₂-Zertifikate im Umfang von rund 10.000 Tonnen bereit, ausschließlich aus Gold-Standard-zertifizierten Klimaschutzprojekten – darunter der Aufbau von Solaranlagen in Uganda und der Demokratischen Republik Kongo.

Kompensation ist eine der Anforderungen des Umweltzeichens „Green Event“. Bereits 2015 setzte der Eurovision Song Contest in Wien Maßstäbe und erhielt als erster Wettbewerb dieser Größenordnung in Europa diese Auszeichnung.

In diesem Jahr strebt der ORF noch das zweite Umweltzeichen „Green Producing“ an, bei dem eigene strenge Produktionsauflagen gelten. So gibt es etwa ein stromeffizientes LED- und laserbasiertes Lichtkonzept. Der ORF setzt also auf einen ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz.

Dürfen nur E-Lkw das Equipment anliefern?

Angesichts der internationalen Herkunft des Materials und der damit verbundenen Transportdistanzen ist ein verpflichtender Einsatz von E-Lkw nicht realistisch umsetzbar. Die Nachhaltigkeitsstrategie des ESC 2026 setzt an anderen Stellschrauben, wie der effizienten Bündelung von Transporten sowie straffer Zeitfensterplanung, an.

Gibt es einen offiziellen ESC-Spediteur, der die Anlieferungen zentral koordiniert, wie das bei manchen Messen und Sportereignissen üblich ist?

Schachinger Logistik übernimmt die zentrale Koordination und Fahrplanung. Jedes Gewerk bestellt sein Equipment jedoch eigenständig. Schachinger koordiniert die Time slots und sorgt dafür, dass bei der Stadthalle ein reibungsloser Ablauf gewährleistet ist.

Bis wann muss der Aufbau fertig sein?

Der Aufbau muss bis zum 24. April abgeschlossen sein. Der Load-In läuft seit dem 30. März im durchgehenden Tag-Nacht-Schichtbetrieb.

Was sind die größten logistischen Herausforderungen rund um den ESC?

Die zentrale Herausforderung ist das Timing: Der richtige Lkw muss zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein – jede Verzögerung kann Geld kosten und kann sich auch direkt auf den Bühnenaufbau auswirken. Jeder ESC ist anders, bringt neue Gewerke zusammen und bringt neue Sonderanforderungen. Was immer gleich bleibt ist die Notwendigkeit absoluter Flexibilität.

Welche Sicherheitsvorkehrungen gelten für die Anlieferungen?

Das Sicherheitskonzept ist mehrstufig: Der erste Checkpoint liegt an der Felberstraße am ÖBB-Gelände: Jeder Lkw wird vollständig durchgescannt, das Kennzeichen des Fahrzeugs muss außerdem mit der vorab übermittelten Anmeldung übereinstimmen.

Es werden CMR-Frachtbrief, Reisepass oder Führerschein kontrolliert. Danach bekommen die Lkw von Schachinger eine eigene ausgestellte Wagenkarte (eine zusätzliche Sicherheitseinrichtung) für die Fahrt zur Stadthalle. Die Fahrer dürfen die Halle zu keinem Zeitpunkt betreten und müssen sich im Bereich ihrer Fahrzeuge aufhalten.

Nach erfolgter Sicherheitskontrolle wird der Lkw zum Roland-Rainer-Platz gerufen, die Ware ins Foyer gebracht, geröntgt und von Spürhunden kontrolliert. Am 29. April sollen Equipment und Ausstattung weitestgehend in der Stadthalle sein.

Für einen halben Tag wird dann der gesamte Hauptschauplatz abgesperrt und durchsucht. Nach diesem Lockdown erfolgt die gesamte Anlieferung mit Flughafen-Sicherheitsstandard – das heißt, es muss alles durch die Sicherheitsschleusen und wird streng kontrolliert.

Wie schnell wird nach dem ESC abgebaut?

Der komplette Abbau und der Abtransport des gesamten Equipments sollen innerhalb einer Woche abgeschlossen sein. Auch dafür ist Schachinger Logistik zuständig.

Schachinger Logistik mit Sitz in Hörsching (OÖ) ist Spezialist für innovative Branchenlogistik und nachhaltige Logistiklösungen in den Bereichen Lebensmittel, Pharma/Healthcare, Baulogistik, Logistik für Hightech- und Automobilindustrie und intelligente Paketlogistik. Das Mission Statement des Unternehmens lautet: „Wir bei Schachinger Logistik handeln nachhaltig – ökologisch, ökonomisch, sozial und übernehmen Verantwortung für Mensch, Gesellschaft und Umwelt. Wir sind TEIL DER LÖSUNG.“

www.songcontest.orf.at

www.eurovision.com

www.schachinger.com

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