2025 war wirtschaftlich ein schlimmes Jahr für die ÖBB Rail Cargo Group (RCG). Das kommunizierte der Vorstand der ÖBB-Holding AG bei der Bilanzpressekonferenz in aller Offenheit. Die Ausführungen von CEO Andreas Matthä und CFO Manuela Waldner waren aber auch von der Erläuterung der Maßnahmen für eine Trendumkehr geprägt. Damit soll die RCG in Österreich und Europa noch stärker als Bahnlogistiker mit End-to-End-Serviceleistungen positioniert werden.
Dass diese Strategie einen Turnaround bewirken kann, belegt ein Blick auf die Umsatzentwicklung. Mit 2,09 Mrd. EUR wurde der Vergleichswert des Vorjahres um 6 Prozent übertroffen. Dazu habe der positive Trend in der Bahnlogistik maßgeblich beigetragen, erläutere Andreas Matthä. Als weitere positive Szenarien nannte er die Zuwächse im Segment Konsumgüter und bei den Abfalltransporten. Auch einige Stammkunden hätten zusätzliche Mengen auf die Schiene verlagert.
Unabhängig davon soll die ÖBB Rail Cargo Group noch wettbewerbsfähiger werden. Damit werde man alle Hände voll zu tun haben, wissen Andreas Matthä und Manuela Waldner. Jedoch sehen sie noch viel Potenzial im Bereich der Programme zur Verbesserung der Prozesse, der Qualität und der Stabilität. Der Einzelwagenverkehr in Österreich steht weiter unter Druck, soll aber erhalten bleiben. Das sei der Wunsch der Bundesregierung und erfordere die Fortsetzung der entsprechenden Förderungen, bemerkte Andreas Matthä gegenüber der Österreichischen Verkehrszeitung.
Als Maßnahme zur Beseitigung von Verlustbringern hat das RCG-Managment im Jahr 2025 die TransFER-Linien von Österreich nach Antwerpen und Rotterdam eingestellt. Außerdem wurden die Frequenzen im Türkei-Verkehr reduziert. Dem gegenüber stehen die kürzlich gestarteten Regelverkehre auf den Linien Duisburg-Rotterdam und Salzburg-Offenbach. An den Verbindungen in die deutschen Seehäfen sowie nach Koper und Triest wird weiter festgehalten.
Die anhaltende industrielle Rezession in Europa und insbesondere in Österreich hatte 2025 deutliche Auswirkungen auf den Schienengüterverkehr gehabt. Die Nachfrage nach Logistikleistungen ist zurückgegangen. Zudem hat ein harter Preiswettbewerb mit der Straße das Umfeld geprägt. Die Transportleistung der ÖBB Rail Cargo Group (RCG) ist dadurch um 4 Prozent auf 26,2 Mrd. Nettotonnenkilometer gesunken. Es wurden 78,7 Mio. Nettotonnen (- 1,5 %) befördert. Trotzdem ist es der RCG gelungen, den Umsatz um 6 Prozent auf 2,09 Mrd. EUR (Vj: 1,97Mrd. EUR) zu erhöhen.
Unterm Strich hat die RCG allerdings mit einem EBT von -135,5 Mio. EUR (Vj. -24,5 Mio. EUR) abgeschlossen. Dieses Ergebnis ist von einer einmaligen Wertberichtigung und Einbußen im Agrarbereich geprägt. Die trüben wirtschaftlichen Aussichten haben das ÖBB Management veranlasst, künftige Ertrags- und Investitionsprognosen neu zu bewerten und Firmenwerte bei den Beteiligungen in Ungarn und der Agrarspedition in Höhe von -81,1 Mio. EUR abzuschreiben. Auch ohne diesen Einmaleffekt ist das Ergebnis mit -54 Mio. EUR negativ geblieben.
Der Agrarsektor belastet das Ergebnis mit rd. 36 Mio. EUR. Der Grund dafür sind geänderte Warenströme durch Missernten, eine schwache Marktentwicklung sowie handels- und zollpolitischen Verwerfungen aufgrund der US-Zollpolitik. Ohne die Abschreibung und die Verluste im Agrarbereich wäre das Ergebnis in etwa auf Vorjahresniveau geblieben. Abseits des schwierigen Wirtschaftsumfelds hatten längere Transportwege aufgrund der Baustellensituation etwa in Deutschland sowie hohe Energiepreise Einfluss auf das Ergebnis der Gütersparte der ÖBB.
Die RCG setzt bereits ein Bündel an Maßnahmen um, um gegenzusteuern: Unter anderem werden nicht wettbewerbsfähige Produkte eingestellt, die Auslastung nachgefragter Verbindungen gezielt erhöht sowie die Organisation verschlankt und zukunftsfit gemacht, sodass im ÖBB-Konzern für 2026 eine Besserung der Finanzzahlen erwartet werden kann. Für 2027 hofft der Vorstand mit einem leichten Plus beim Ergebnis, sofern sich die Industriekonjunktur wieder stabilisiert.
