Der international tätige Fruchtsaft- und Getränkehersteller Pfanner mit Zentrale in Lauterach in Vorarlberg erwartet für das zu Ende gehende Geschäftsjahr 2025 einen stabilen Umsatz auf dem Niveau des Vorjahres. Damals wurde ein Geschäftsvolumen von 472 Mio. EUR erzielt. Allerdings rechne man mit einem leicht rückläufigen Absatzvolumen von minus fünf Prozent, so Peter Pfanner, Vorstand der Pfanner Holding AG, im Gespräch mit der Wirtschaftspresseagentur.com.
Man sehe sich auf mehr oder weniger allen Absatzmärkten mit einer großen Verunsicherung der Konsumentinnen und Konsumenten konfrontiert. Diese Marktverunsicherung beruhe auf wirtschaftlichen und politischen Faktoren. „Die Menschen wollen ihr Geld nicht mehr so stark wie früher ausgeben. Und wenn, dann setzt man Prioritäten.“
Es gebe dahinter auch keine erkennbare Systematik, etwa beim Vergleich der Entwicklung unterschiedlicher Exportländer mit unterschiedlicher wirtschaftlicher Lage. Für Pfanner bedeute diese Situation eine starke Planungsunsicherheit. „Es gibt derzeit in vielen Ländern viel Nebel. Deshalb müssen wir auf Sicht fahren und können keine Prognose für das nächste Jahr abgeben.“
Die Marktunsicherheit werde durch die nach wie vor unsicheren Lieferketten noch verschärft. „Wir müssen alle möglichen Faktoren einplanen. Von klimatischen Einflüssen und Ernteeinbußen bis hin zu Störungen durch Spannungen in der internationalen Politik, durch Terrorismus, Anschläge oder Krieg“, so Peter Pfanner.
Da aber der Handel erwarte, dass ein Getränkehersteller wie Pfanner ständig und just-in-time lieferfähig ist, müsse das Unternehmen hohe Lagerbestände bei den Rohmaterialien aufbauen. „Wir haben derzeit ein Warenlager – zumeist tiefgefrorene Konzentrate – im Wert von über 100 Mio. EUR. Hier die Liquidität und Finanzierung zu sichern, ist ein großes Thema geworden.“ Dazu komme die preisliche Kalkulation, denn mit dem Handel gebe es im Herbst keine Verhandlungen über Mengenkontrakte, sondern nur über Zeitkontrakte, in der Regel auf ein Jahr.
Pfanner sei im Geschäftsjahr 2025 mit einer Steigerung der Energiekosten von 15 Prozent konfrontiert. „Hier geht es sehr viel auch um die Transportkosten und die zunehmende Besteuerung von Energie. Dazu kommt die ständig steigende CO2-Abgabe.“
Von den in den vergangenen drei Jahren stark erhöhten Personalkosten nicht zu reden. „Und dann kommt der Staat, der ja viele dieser Kostensteigerungen selbst zu verantworten hat, um die Ecke und kritisiert die angeblich hohen Preise der bösen Lebensmittelhersteller.“
Klare Worte findet Pfanner zum Thema Nachhaltigkeit. Die Idee dahinter sei absolut begrüßenswert, aber die Umsetzung in der EU denkbar schlecht. Die Folge: „Nachhaltigkeit hat bei Pfanner nicht mehr Priorität eins. Der Konsument möchte sie nicht bezahlen und die Industrie kann sie kostenmäßig nicht abdecken.“
Bis heute könne ihm auch niemand erklären, was man mit den angedachten Berichtspflichten und den unzähligen Auflagen in Hinsicht auf das Klima verbessern wolle. „Das produziert vor allem Bürokratie und damit noch mehr Kosten.“
Auch bei der Entschärfung des EU-Lieferkettengesetzes sei man auf halbem Weg stehen geblieben. Denn die großen Unternehmen bzw. Konzerne würden entsprechende Berichte von ihren deutlich kleineren Lieferanten einfordern (müssen), da sie sonst selbst keinen Bericht erstellen können.
Dass Pfanner bis 2040 klimaneutral produziere, könne er ausschließen. „Das hat allein technische Gründe. Wir benötigen in der Produktion 160 Grad Celsius. Mit Strom ist das vom Kostenaufwand her nicht machbar. Eine andere in naher Zukunft verfügbare Form von Energie, die das zu vergleichbaren Kosten wie Gas macht, kenne ich nicht.“
Pfanner habe PV-Anlagen mit einer Nennleistung von 4.500 kWp installiert und könne damit gerade einmal 20 Prozent des Eigenbedarfs an Strom abdecken. „So viele PV-Module können wir gar nicht installieren, dass einmal 100 Prozent möglich werden.“
Die großangelegte Modernisierung des Hauptsitzes in Lauterach sei unterdessen planmäßig unterwegs, sagt Peter Pfanner. So werde man zwischen 2024 und 2026 rund 60 Mio. EUR in Lauterach investieren, etwa in eine Erneuerung einer Abfülllinie und in die gesamte Infrastruktur. Die jüngst neu dazugekauften Grundstücke bzw. Gebäude in Lauterach (Dammstraße, Scheibenstraße) sollen ab Jänner bzw. April 2026 für Lager- und Logistik-Aktivitäten genutzt werden. Auch Büroflächen seien denkbar.
