US-Zölle werden für Exporteure zum Belastungstest

Das wirtschaftliche Sturmtief dürfte sich 2026 abschwächen, 2027 erwarten Acredia und Allianz Trade eine ruhigere Wetterlage.

US-Zölle werden für Exporteure zum Belastungstest Bild: Acredia - M. Draper / Gudrun Meierschitz, Vorständin Acredia Versicherung AG

In Österreich hält der Trend steigender Unternehmensinsolvenzen an. Nach dem kräftigen Anstieg im Vorjahr dürfte die Zahl der Firmenpleiten 2025 um rund 6 Prozent zulegen, auf etwa 6.950 Fälle. Das zeigt die aktuelle Insolvenzstudie des Kreditversicherers Acredia gemeinsam mit Partner Allianz Trade. 

Besonders betroffen bleiben der Einzelhandel, das Baugewerbe und das Gastgewerbe, zunehmend auch kleinere Betriebe. Hintergrund dieser Entwicklung sind strukturelle Schwächen der Binnenkonjunktur, eine verzögerte Erholung von der Rezession sowie die anhaltende Schwäche der deutschen Wirtschaft, Österreichs wichtigstem Handelspartner.

„Die Insolvenzlage bleibt angespannt, zeigt aber erste Anzeichen einer Bodenbildung“, sagt Gudrun Meierschitz, Vorstandsmitglied von Acredia. „Das wirtschaftliche Sturmtief dürfte sich 2026 abschwächen, 2027 erwarten wir eine ruhigere Wetterlage. Viele heimische Unternehmen haben in den vergangenen Jahren an Widerstandskraft gewonnen und werden gestärkt aus dieser Phase hervorgehen.“

Zu den größten Herausforderungen zählen laut Gudrun Meierschitz steigende Finanzierungskosten, anhaltender Margendruck und zunehmende Liquiditätsspannen entlang der Lieferketten. „Viele Unternehmen arbeiten mit knappen Reserven und sehen sich mit wachsenden Außenständen konfrontiert.

Während US-Unternehmen derzeit noch von Preisanpassungen und der Umleitung von Handelsströmen profitieren, könnten die jüngsten Zollmaßnahmen mittel- bis langfristig auch exportorientierte Volkswirtschaften wie Österreich treffen. Acredia und Allianz Trade erwarten, dass die volle Wirkung der US-Zölle erst 2026 spürbar wird mit möglichen Dominoeffekten entlang globaler Lieferketten.

„Für ein exportorientiertes Land wie Österreich sind stabile internationale Rahmenbedingungen entscheidend“, betont Gudrun Meierschitz. „Sollten sich die globalen Handelsbedingungen weiter eintrüben, könnte das auch für heimische Exporteure zum Belastungstest werden, insbesondere für mittelständische Unternehmen, die von internationalen Vorleistungsketten abhängig sind.“

Der starke Gründungsboom der vergangenen Jahre, allen voran in technologie- und KI-getriebenen Branchen, birgt zusätzliche Risiken. Nach einer Phase intensiver Investitionen in Start-ups und digitale Geschäftsmodelle zeigen sich erste Konsolidierungstendenzen. Sollte der aktuelle KI- und Tech-Boom an Dynamik verlieren, könnte auch hierzulande eine Korrektur einsetzen und vor allem wachstumsorientierte Unternehmen mit hoher Fremdfinanzierung treffen.

Trotz der erwarteten Stabilisierung bleibt das Niveau hoch: 2026 liegen die Insolvenzen rund 30 Prozent über dem Durchschnitt von vor der Pandemie. Selbst 2027 dürfte das Vorkrisenniveau noch um etwa 18 Prozent überschritten werden, lautet die Prognose von Acredia und Allianz Trade.

www.acredia.at

www.allianz-trade.de

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