Österreichs Autozulieferindustrie gerät laut eigenen Angaben immer stärker unter Druck. Im Vorjahr ist der Branchenumsatz im Vergleich zu 2023 um 9,2 Prozent auf 28,41 Mrd. EUR gesunken, wie die ARGE Automotive Zulieferindustrie gestern im Rahmen einer Pressekonferenz bekanntgab.
Auch bei den Beschäftigten zeigt sich erstmals seit Jahren ein deutlicher Rückgang: Rund 5.000 Stellen – inklusive Leiharbeitskräfte – gingen verloren, womit die Branche Ende 2024 noch 76.900 Mitarbeiter:innen beschäftigt hat.
„Die aktuellen Zahlen sind ein lauter Weckruf an die Standortpolitik in Österreich“, warnte ARGE-Vorsitzender Dietmar Schäfer. Es sei zu befürchten, dass auch im laufenden Jahr weitere Arbeitsplätze verloren gehen – „und zwar nachhaltig“.
Eine aktuelle Analyse des Industriewissenschaftlichen Instituts (IWI) belegt den Abwärtstrend. Studienautor Herwig Schneider erklärte, Österreich verfüge zwar über „hohe Produktqualität, eine starke Forschungsbasis und exzellente Ausbildung“. Dennoch sei man im internationalen Standortvergleich „deutlich zurückgefallen“. Im EU-Ranking wie auch im globalen Benchmark verschlechtere sich die Wettbewerbsposition Österreichs stetig.
Als Schwächen ortet die Studie vor allem hohe Lohn- und Lohnnebenkosten, steigende Energiepreise sowie den zunehmenden Fachkräftemangel. Viele Zielländer böten günstigere Rahmenbedingungen – von niedrigeren Unternehmenssteuern über größere Arbeitskräftepools bis zu günstigeren Energiekosten. „Diese strukturellen Nachteile mindern die Investitionsbereitschaft und gefährden ganze Wertschöpfungsketten“, so Schneider.
Die Zulieferer sehen den Industriestandort daher massiv unter Druck. Dietmar Schäfer fordert „mehr Flankenschutz durch eine aktive Standortpolitik“. Hohe Steuerlast, teure Energie und wachsende Bürokratie – etwa durch das Lieferkettengesetz oder Reportingpflichten – würden den Handlungsspielraum der Unternehmen einschränken. Notwendig seien dagegen Investitionen in Forschung, Technologiecluster und Weiterbildung.
Trotz aller Probleme gibt es den Experten zufolge auch Lichtblicke. Laut Studien erwarten Märkte wie Indien, Mexiko oder Südkorea steigende Nachfrage nach Komponenten aus Österreich – insbesondere in den Bereichen Elektromobilität, Leichtbau und Fahrassistenzsysteme. Nearshoring-Trends und die Nachfrage nach kürzeren Lieferketten könnten den österreichischen Zulieferern zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Dietmar Schäfer macht dennoch klar: „Unsere Branche befindet sich in einer tiefgreifenden Transformation, ist aber weiterhin ein gefragter Partner. Damit wir diese Rolle auch in Zukunft spielen können, braucht es entschiedenes politisches Handeln.“
